Axolotl

Ambystoma mexicanum (SHAW, 1789)
 

Das Epitheton “mexicanum” bezieht sich auf den Herkunftsort Mexiko. Der Name “Axolotl” stammt aus der Sprache der Ureinwohner Mexikos. Der Legende nach verwandelte sich der Gott Xólotl, ein Wesen mit menschlichem Körper und Hundekopf, in einen “ajalote” (Salamander), um einem Opfertod zu entgehen. Direkt übersetzt würde man die Tiere “Wassermonster” (atl = Wasser; xolotl = mönströs) nennen. THOMAS (1976) übersetzt den Namen “Xolotl” jedoch eher als Wasserspiel oder Wasserfeder, vermutlich eine Assoziation zu den federartigen Kiemen.

 

Schutzstatus

Anhang B der EGVO-Nr. 338/97
WA II

Preiskategorie

Niedrig. Voll entwickelte Jungtiere in allen Farben bekommt man schon für 10 Euro.

Schwierigkeitsgrad

Einfach. Diese Art kann auch von Anfängern erfolgreich gehalten werden.

 

Beschreibung

Der Axolotol wird in Deutschland häufiger angeboten. Er ist leicht zu halten und zu vermehren, weshalb er sich großer Beliebtheit erfreut. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere kommen nur in zwei mexikanischen Seen vor, weshalb sie durch den Fang für den Export beinahe ausgerottet worden wären. Sie leben dort nicht mitten im See, sondern in den unzähligen dunklen Kanälen in der Peripherie. Schon zur Zeit der Azteken dienten die Lurche als Nahrungsquelle für die Eingeborenen. Das Fleisch wird als aalähnlich beschrieben. Zu religiösen Festen wurden sie in größerer Menge verzehrt. Das Besondere an diesen Urodelen ist, dass sie ihr ganzes Leben als Larve verbringen (Neotenie), d. h., sie entwickeln nie die Landform. Vermutlich liegt das an den Umweltbedingungen in ihrem Ursprungsbiotop. Da es dort sehr trocken ist, würden die Tiere wahrscheinlich vertrocknen, wenn sie an Land gehen. Die genaue Ursache dafür, dass Ambystoma mexicanum keine Metamorphose vollzieht, liegt darin, dass die Salamander das Schilddrüsenhormon Thyroxin nicht bilden, welches bei Schwanzlurchen für die Umbildung in die Landform verantwortlich ist. In Tierexperimenten konnte durch die künstliche Gabe von Thyroxin die Metamorphose erzwungen werden. Auch höhere Temperaturen und allmähliches Absenken des Wasserspiegels soll eine Metamorphose einleiten. Ein Bild der Landform kann im Artikel von WISTUBA (1996) gesehen werden. Das Leben als Larve zu verbringen hat auch seine Vorteile. WISTUBA (1996) erwähnt, dass die Regenerationsfähigkeit bei Verletzungen sehr ausgeprägt ist. So können auch Kiemen und Beine bei Verlust wieder neu gebildet werden.

Beim Axolotl handelt es sich um ein optisch sehr ansprechendes Tier. Es besitzt auf jeder Seite drei Büschel ausgeprägte und bei Albinos rötlich gefärbte Außenkiemen, die an einen Federschmuck erinnern. Der Schwanz ist seitlich abgeflacht und dient als Schwimmhilfe. Von der Seite betrachtet kann man die herausragenden Rippen erkennen. Die Wildform des Axolotl ist schwarzgrau gefärbt. Der Bauch ist grau. Gelegentlich findet man helle Flecken am Körper. Weiterhin findet man auf dem Markt einige weitere Farbformen, wie z.B. echte Albinos. Fälschlicherweise werden häufig alle möglichen hellen Farbvarianten als Albino betitelt. Echte Albinos habe keinerlei dunkles Pigment (Melanin). Sie habe dementsprechend auch rote Augen. Ihre Körperfarbe ist auch eher gelblich als weiß und weist unregelmäßige weiße Flecken (Iridophoren auf). Bei weißen Tieren, die jedoch dunkle Augen besitzen oder noch dunkle Flecken am Körper oder an den Kiemen aufweisen, handelt es sich um sogenannte leuzistische Farbformen. Die Albinos werden auch Humphrey-Axolotl genannt, da sie aus einem Experiment entstanden sind, in dem HUMPHREY im Jahre 1967 einen albinotischen Ambystoma tigrinum mit einem Axolotl kreuzte. Als letzte Variante gibt es braun gefärbte Tiere, die jedoch seltener angeboten werden.
Der Axolotl zeigt ein sehr ruhiges Verhalten. Tagsüber ruhen die Tiere größtenteils am Boden, wobei sie die Beine so vom Boden lösen, dass sie diesen nur noch mit dem Schwanz berühren und mit dem restlichen Körper frei schweben.

Der Axolotol kann eine Körperlänge von 20 - 30 cm erreichen, durchschnittlich werden sie 23-26 cm groß. Diese Querzahnmolche werden bis zu 25 Jahre alt.

Geschlechtsunterschiede

Die Geschlechter lassen sich meist erst nach der Geschlechtsreife unterscheiden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Tiere etwa 20 cm lang, und die Männchen haben geschwollene Kloakaldrüsen.

Verbreitung

Mexiko (endemisch im Chalco- und Xochimilcosee)

 

Haltung im Aquarium

Aquarium

WISTUBA (1996) empfiehlt für ein Pärchen ein Aquarium, dass mindestens 100 Liter fassen sollte. Das Wasser sollte nicht zu weich sein und einen ph-Wert von 6 nicht unterschreiten. REHBERG (1990) empfiehlt sogar pH-Werte von mindestens 7. Nach BANDT & FREYTAG (1950) sind Werte von 7,5 - 8 optimal. Bei Werten zwischen 3,5-5 und 10,5-12 sterben die Tiere. Das Wasser sollte entweder regelmäßig teilweise ausgetauscht werden, oder aber man installiert eine Filteranlage. HERMANN (1988) verwendet einen Eheimfilter mit 1000 l/h Leistung für ein Aquarium mit 300 Liter, das mit 6 Tieren besetzt ist.

Licht

Der Axolotl kommt in der Natur hauptsächlich in dunklen Kanälen vor. Sehr grelles Licht ist deshalb nicht notwendig, insbesondere Sonnenlichteinstrahlung sollte vermieden werden.

Temperatur

Im Sommer ca. 18-20 °C und im Winter 15-18 °C (HERMANN 1988). Es werden jedoch insgesamt Temperaturen im Bereich 10 bis 25 °C vertragen. In der Literatur werden sogar Mindesttemperaturen von -2 °C erwähnt (ZUCHI & GONSCHOREK 1983). HERMANN (1988) beschreibt, dass sogar Maximaltemperaturen von 33 °C vertragen wurden. Die Molche zogen jedoch daraufhin ihre Federkiemen ein und stellten fast jegliche Aktivität ein. Wenn das Aquarium in einem normal beheizten Zimmer steht, braucht man also keine zusätzliche Heizung zu installieren.

Einrichtung

Als Bepflanzung empfiehlt WISTUBA (1996) harte Pflanzenarten wie Anubias, Javafarn und Javamoos. HERMANN (1988) erwähnt Valisneria neotropicalis und Myriophyllum matogrossense. Als Bodengrund verwendet HERMANN feinen und groben Kies in unterschiedliche Farben, wobei er dunklere Farben bevorzugt, um dadurch eine weitere Verdunkelung des Aquariums zu erzielen. Außerdem legt er mit Naturschieferplatten Terrassen an, zwischen denen sich Höhlen bilden, worin sich die Lurche verstecken können. Weitere Steine werden als Sichtschutz am Boden verteilt. Durch die Ausscheidungen der Molche wird das Wasser schnell verschmutzt, so dass die Installation eines Filters empfehlenswert ist.

Fütterung

Verfüttert werden Regenwürmer, Fliegenmaden, Wasserflöhe, Tubifex, kleine Fische (Guppys, Moderlieschen), Muschelfleisch und weitere Frostfutterarten. Gefressen wird auch in Streifen geschnittenes Rinderherz, Leber, mageres Mett oder Putenfleisch. Fett und Bindegewebsreste sollten entfernt werden, da sie nicht verdaut werden können (WISTUBA 1996). HERANN (1988) verfüttert zudem Trockenfutter für Teichfische. Die Larven werden anfangs mit Artemien, Rädertierchen (Rotatorien wie z.b. Brachionus urceolaris), Cyclops und Wasserflöhen gefüttert. Bei der Verfütterung von Muschelkrebschen (Ostracoden) machte REHBERG (1990) schlechte Erfahrungen, da die unverdauten Schalen vermutlich zur Verletzung des Darmes führten und so eine Verpilzung begünstigten. Der Axolotl schnappt bei der Fütterung nach allem, was sich in kopfnähe befindet. Das kann zu Verletzungen bei Artgenossen führen, was durch gezielte Fütterung mit der Pinzette vermieden werden kann. Gefüttert wird 2-3 mal wöchentlich. Ambystoma mexicanum hat eher schlechte Augen und erjagt sich das Futter mit Hilfe des Geruchssinnes. Während der Nahrungssuche liegen die Tiere so im Wasser, dass sie mit der Schnauze den Boden berühren, um chemische Reize aufzunehmen.

Zucht

Gemäß BUSCH (1950) liegt die Fortpflanzungszeit in Gefangenschaft zwischen September und Mai. WISTUBA (1996) empfiehlt zu Paarungszwecken nur ein Zuchtpaar pro Becken zu halten. Die Wassertemperatur sollte für eine Zeit lang auf 13 - 16 °C herabgesenkt werden um eine Fortpflanzung anzuregen. REHBERG (1990) spricht von mehreren Wochen bei 10-16 °C. Das Männchen setzt die Spermien in Form von weißlichen kegelförmigen Spermatophoren in vorher angelegten Mulden ab. Danach wird das Weibchen zu dieser Mulde dirigiert, wo es die Spermien über die Kloake aufnimmt. Über die Zeit, die danach bis zur Eiablage vergeht, gibt es unterschiedliche Angaben, die von 12 Stunden bis zu 10 Tagen reichen (siehe Tabelle). Die ca. 2 mm großen Eier werden in Klumpen mit Hilfe der Hinterbeine an Pflanzen und Dekomaterial befestigt oder verstreut am Boden abgelegt. Auch die Gelegegröße kann stark variieren und liegt bei 100 bis 300. Die durchschnittliche Zahl liegt jedoch bei 100 bis 200 Eiern. Mit der Zeit quillt die Gallerthülle der Eier auf, so dass sie einen Durchmesser von ca. 1 cm erreichen. Laut REHBERG (1990) können bis zu 3 Eier in einer Gallerthülle vereinigt sein. Nach 12 Stunden kann man schon die erste Spaltung der Eier beobachten, am vierten Tag kann man die U-förmige Gestalt des Embryos erkennen und am siebten Tag bilden sich die Kiemen aus (HERMANN 1988). Die Larven schlüpfen abhängig von der Temperatur nach etwa 3 Wochen. Weitere 16 Tage später sind die Vorderbeine und nach 3 Wochen die Hinterbeine voll ausgebildet.

 

Tragezeit

Gelegegröße

Entwicklungsdauer

Größe

BUSCH (1950)

24-36 Std.

bis 300

k.A.

 

HERMANN (1988)

4-34 Tage

186

18-20 Tage

9 mm

SCHULZ (1965)

5-10 Tage

 

17 Tage

 

WISTUBA (1996)

 

 

3 Wochen

 

REHBERG (1990)

12-15 Std.

120-140

14-24 Tage

 

 

 

 

 

Tabelle 1. Entwicklungsdaten aus der Literatur

Die Elterntiere werden vom Laich getrennt, da sie die Eier fressen können. REHBERG (1990) beobachtete, dass sich die Elterntiere insbesondere dann für die Eier interessierten, nachdem die Larven begannen, sich zu bewegen. Die Aufzucht der Larven verläuft z.T. sehr verlustreich. Insbesondere bei albinotischen Axolotls wird immer wieder über hohe Verluste berichtet. REHBERG (1990) berichtet z.B., dass 2/3 der albinotischen Eier abstarben. Etwa 10% der geschlüpften Jungtiere wies zudem Mißbildungen auf. Auch unter den geschlüpften Molchen waren die Verluste hoch. Die hohe Verlustrate führt er auf die empfindlichere Haut der Albinos zurück, nach deren Verletzung sich schnell Pilze ansiedeln. Außerdem würden diese im Vergleich zu normal gefärbten Tieren in einem viel früheren Larvenstadium schlüpfen und deshalb viel länger brauchen, bis sie erstmals Nahrung aufnehmen. Nach WISTUBA (1996) liegt die Aufzuchtquote bei erfahrenen Haltern bei bis zu 70 %. Damit die Eier nicht verpilzen empfiehlt er prophylaktisch Gegenmittel zu verwenden. REHBERG (1990) erwähnt bei der Behandlung von Hautverpilzungen ein 24stündiges Bad mit verdünntem Fungistop (0,25 ml auf einen Liter Wasser). Ein weiteres Problem bei der Aufzucht albinotischer Tiere ist laut REHBERG (1990) die Entwicklung eines Schnabelmauls, das im fortgeschrittenen Stadium die Aufnahme größerer Nahrung unmöglich macht.
Um Kannibalismus unter den Larven zu verhindern, sollten die Jungen getrennt aufgezogen werden. REHBERG (1990) erwähnt zur Aufzucht Kühlschrankdosen mit 3-5 cm tiefem Wasser. Frei schwimmende Tiere werden dann in größere Becken umgesiedelt.
Die Geschlechtsreife wird mit 1,5 - 2 Jahren erreicht (REHBERG 1990). Laut SCHULZ (1965) sind die Amphibien nach 2-3 Jahren voll ausgewachsen und mit einem Jahr geschlechtsreif.

 

Literatur

BANDT, H. J. & G. E. FREYTAG (1950): Die tödlichen ph-Werte für den Axolotl (Siredon mexicanum). - Mitt. Mus. Naturk. Vorgesch., Magdeburg 2(12): 129-132.

BUSCH, G. (1950): Der Axolotl. - DATZ, Stuttgart, 3(9): 141-142.

CUPUL, F. (2007): Der Axolotl in Religion, Magie und Mythos. - Reptilia, Natur und Tier-Verlag, Münster, 12(5), S.41-43.

GEYER, H. & G. E. FREYTAG (1949): Über die Kreuzung zwischen Tigersalamander (Ambystoma tigrinum) und Axolotl (Ambystoma mexicanum) und ihre F2-Generation. - Mitt. Mus. Naturk. Vorgesch., Magdeburg, 2(2): 9-23.

HERMANN, R. (1988): Haltung und Zucht des Axolotls Ambystoma mexicanum (SHAW, 1789). - SAURIA, Berlin, 10(2): 3-6.

HERMANN, R. (1990): Leicht zu pflegen: Axolotl. - DATZ, Stuttgart, 43(2): 97-98.

HEYDECKE, R. (1964): Präparationsanleitung für den Axolotl. - Wiss. Z. Humboldt Univ., Berlin, 8: 599-604.

HUMPHREY, R. R. (1967): Albino axolotl from an albino tiger salamander through hybridization. - J Hered., 58(3): 95-101.

REHBERG, F. (1990): Der Humphrey-Hybrid Axolotl, ein echter Albino. - DATZ, Stuttgart, 6/90: 343-346.

SCHULZ, B. (1965): Haltung und Zucht des Axolotls (Siredon mexicanum). - DATZ, Stuttgart, 18(12): 215-218.

THOMAS, R. M. (1976): The Mexican Axolotl in School. - J. Biol. Educ., London, 10: 291-298.

WISTUBA, J. (1996): Ambystoma mexicanum - Über die Haltung und Zucht vom mexikanischen Axolotl. - Natur und Tier-Verlag, Münster; REPTILIA 1(2): 43-46.

 

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