Avicularia minatrix

POCOCK, 1903

 

Beschreibung

Die Art Avicularia minatrix wurde 1903 von POCOCK anhand eines einzelnen Weibchens bestimmt; der Holotypus hatte eine Körperlänge von gerade einmal 33 mm. Die Grundfärbung ist rosa-braun, der Cephalothorax rosa. Das Abdomen ist mit zwölf leuchtend roten Flecken auf schwarzem Grund auffallend schön gezeichnet. Anders als andere Avicularien verändet Avicularia minatrix ihre Färbung im Laufe ihres Lebens nicht. Sie ähnelt in ihr sehr den Jugendstadien vieler anderer Avicularien wie bspw. Avicularia metallica. Die Art ist dicht behaart, aber längst nicht so dicht wie Avicularia versicolor. Auch liegen die Haare eher am Körper an. Nichtsdestotrotz können die Tiere erstaunlich schnelle und weite Sprünge machen. Erschreckt man sie, so kann ein Fluchtsprung sie spielend leicht und nahezu unbemerkt – so schnell sind ihre Bewegungen – aus dem Terrarium tragen. Weibchen der Art erreichen nach herrschender Meinung 4 cm Körperlänge.

Verbreitung

Norden von Venezuela in der Küstenregion um Caracas. Regenwald. Ausgeprägter Baumbewohner. Kulturfolger, der in Obstplantagen gefunden wird. Für einen Kulturfolger verwundert das extrem scheue Verhalten der Tiere.

Verhalten

Baut im natürlichen Habitat Gespinste in Bromelientrichter und Baumhöhlen; sterben die Bromelien nach ihrer Blüte ab, so beziehen die Tiere einen neuen Trichter. In Gefangenschaft hat sie bei mir eine Korkröhre bezogen, die sie mit einer selbstgesponnenen Netzröhre, ähnlich einem Wurmfortsatz, verlängert hat. Friedlicher Charakter, extrem scheu. Flieht bei der kleinsten Störung und verlässt – wenn überhaupt - erst bei Dunkelheit das schützende Versteck; meist beschränkt sich dies darauf, die Beine aus der Netzröhre zu strecken. Das Verhalten, das der Name der Art nahe legt – minatrix ist lat. für “die Drohende” – konnte von mir nie beobachtet werden.

Haltung im Terrarium

Eigene Erfahrung

Wie viele andere Vogelspinnenbegeisterte auch hat mich ein Foto von Avicularia minatrix in Verbindung mit ihrer geringen Körpergröße, ihrer Friedlichkeit und ihrer Gattungszugehörigkeit für sie eingenommen. Aufgrund der vergleichsweise eher geringen Verfügbarkeit bzw. des überhöhten Preises habe ich einige Zeit gesucht, bis ich mir ein subadultes Weibchen dieser gefragten Art zugelegt habe. Leider lebt es so versteckt, wie ich es nicht annähernd von einer anderen Vogelspinne her kenne. Ich hätte die Terrarienwände unverkleidet lassen sollen, dann könnte ich die Spinne wenigstens noch in ihrer Röhre sitzen sehen. Manchmal ist wochenlang nicht einmal ein Tarsus am Wohnröhreneingang zu sehen. Nur bei extremem Hunger wandert das Tier ein wenig umher, belohnt dann allerdings durch die wunderschöne Färbung und die Anmut der Avicularia-typischen vortastenden Bewegungen. Insgesamt friedlich, aber insbesondere für Anfänger aufgrund der versteckten Lebensweise nicht empfehlenswert. Ansonsten durchaus robust, trotz des zarten Körperbaus.

Terrarium

Kleinterrarium für Baumbewohner (ab 20X20x30).

Licht

Ein 20 Watt Halogenspot im Terrarium heizt bei nicht zu niedriger Raumtemperatur das kleine Terrarium insbesondere in der oberen Region sehr passabel auf – ein größerer Spot, bspw. 35 Watt, würde das Tier kochen.

Temperatur

Tag 26 - 28° C, Nacht 20° C.

Luftfeuchtigkeit

75 - 85%. Sie wird durch den feuchten Bodengrund und den möglichen Besatz mit Pflanzen erreicht. Letztere werden erfreulich wenig – viel weniger als bspw. bei Avicularia versicolor – eingesponnen und halten sich damit sehr gut. Für gute Belüftung und gelegentliche Luftbewegung – durch Computerlüfter oder simples In-das-Terrarium-Pusten (aber bitte nie auf die Spinne!) – sorgen; die Art reagiert in allen Altersstadien allergisch auf Stickluft.

Bodengrund

Zwei Teile Blumenerde, ein Teil Vermiculit, das die Feuchtigkeit besser hält. Diese Wirkung kann ersatzweise auch Blähton erfüllen, wie man ihn für Hydrokulturen verwendet. Den Bodengrund vollständig feucht halten.

Einrichtung

Ausreichend Geäst wie bspw. dekorative sandgestrahlte Weinreben oder Moorkienholz – beide extrem feuchtigkeitsbeständig – zum Klettern und als Haltepunkt für Gespinste einbringen. Als Verstecke bieten sich sehr kleine Korkeichenröhren an, die kleinsten erhältlichen. Ich habe Korkeichenröhren von 6 cm Durchmesser eingebracht, und sie sind dem Tier erheblich zu groß – die Hälfte würde reichen. Die Gespinströhre fühlt nicht einmal die Hälfte meiner Korkeichenröhre. Vielleicht bieten sich hier auch sehr dicke Bambusstücke an; das habe ich noch nicht versucht. KOTHE besteht aus mir unersichtlichen Gründen darauf, dass die Korkeichenröhre oben abgedeckt und nur unten offen ist. Dies steht der Bauform eines Bromelientrichters diametral entgegen. Möglich ist zudem ein Trinknapf von 6 cm Durchmesser (Blumenuntersetzer, Plastik) mit einem Stückchen Korkrinde als Rettungsring für Futtertiere. Auf diesen kann bei täglichem Sprühen ins Gespinst (bitte nie auf die Spinne!) verzichtet werden.

Fütterung

Stubenfliegen, Wachsmotten, mittlere Heimchen und Grillen, kleine bis mittlere Heuschrecken, die die Länge des Prosoma nicht überschreiten. Spiderlinge benötigen laut KOTHE zunächst sehr kleine Futtertiere wie Taufliegen oder Springschwänze.

Zucht

Laut PETERS ist die Zucht einfach und schon mehrfach gelungen. Ein Kokon enthält nur erstaunlich wenige Eier, deswegen ist die Art nach wie vor sehr gefragt und verhältnismäßig teuer (Wildfänge entfallen wegen des Exportverbotes aus Venezuela). Ein Gelege enthält nach PETERS 30 bis 40, nach KOTHE immerhin 50 Eier.

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Avicularia versicolor
Avicularia purpurea

Brachypelma smithi (Rotknievogelspinne)
Theraphosa blondi (Riesenvogelspinne)

Literatur

KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen

KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen

PETERS, H.-J. (2000): Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 1

VON WIRTH, V. (1996): Vogelspinnen

 

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