Rotknievogelspinne
Brachypelma smithi (F. O. P.-CAMBRIDGE, 1897)
Schutzstatus
WA II, Anhang B der EGVO-Nr. 338/97. Da diese Spezies in Deutschland wegen der leichten Haltung mittlerweile in Massen gezüchtet wird, ist eine Meldepflicht bei der Behörde entfallen. Dennoch muss man bei Nachfrage gültige Papiere vorweisen können, die die Nachzucht in Deutschland belegen.
Preiskategorie
Niedrig. Jungtiere kann man wegen des großen Angebots je nach Größe schon ab 2 Euro kaufen.
Schwierigkeitsgrad
Niedrig. Wegen des ruhigen Gemüts gilt Brachypelma smithi als ideale Anfängerspinne, die bei Belästigung jedoch heftig bombardieren kann.
Beschreibung
Die Tiere sind in der Grundfärbung dunkelbraun bis schwarz, die längeren Haare braun bis orangefarben, der Carapax beige umrandet. Besonders auffällig sind die orangerot gebänderten Beine. Brachypelma smithi erreicht bis zu 9 cm Körperlänge und ist massig gebaut. Die schöne Art gilt wegen ihrer Erscheinung und ihres meist eher friedlichen Charakters, der langen Lebenserwartung und der Neigung, auch tagsüber eher außerhalb der Höhle zu sitzen, nach wie vor als beliebteste Vogelspinne. Sie ist auch die mit der meisten Filmerfahrung: das letzte Mal sah ich sie in einem “Lions”-Werbespot. Um den großen Bedarf an Brachypelma smithi zu decken, wurde sie Anfang der 1980er Jahre in großen Mengen aus Mexiko exportiert. Sie war damit die erste Vogelspinne, die unter den Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA) gestellt wurde (Anhang II, in Europa Anhang B). Weil die Nachfrage in den USA ähnlich hoch wie in Europa war, kauften die Amerikaner die Tiere bei uns teuer ein. Absurd, da die Tiere aus dem direkten Nachbarland der USA, Mexiko, stammen. Aber das WA gilt für alle gleich. KLAAS sieht genau wie SCHULTZ / SCHULTZ den Grund für die Gefährdung dieser Spezies nicht so sehr in den großen Fangquoten, sondern in der Zerstörung des Habitats. Beide halten eine so strenge Auslegung des WA für unnötig.
Geschlechtsunterschiede
Nach anderthalb Jahren lassen sich die Geschlechter nach der “Klaasschen Methode” bestimmen. Bei Männchen ist an der Unterseite des Abdomens oberhalb der Epigastralfurche eine kreisrunde dunkle Region von ca 1,7 mm Durchmesser zu erkennen. Bei Weibchen sieht man stattdessen einen bis zu 9 mm breiten horizontalen Schlitz in der Epigastralfurche.
Verbreitung
Die Tiere bewohnen überwiegend Trockenbiotope. Sie haben ein großes Verbreitungsgebiet, das sich über eine Distanz von 1.600 km entlang der Küstenkordillere von Sinaloa über Nayarit, Colima, Michoacan, Guerrero bis nach Chiapas ausdehnt. Sie kommen dabei in verschiedenen lokalen Formen vor, die sich marginal in Größe und Färbung unterscheiden.
Verhalten
Die Art ist häufig außerhalb des Unterschlupfes zu sehen. Besonders subadulte Exemplare können manchmal etwas launisch sein, generell aber eine friedliche Art. Die Abwehr liegt, für eine Bombardierspinne typisch, im Abstreifen von Reizhaaren. Bisse sind die Ausnahme. Brachypelma smithi-Weibchen sollen das stolze Alter von 30 Jahren erreichen können. Das langsame Wachstum spricht dafür.
Haltung im Terrarium
Eigene Erfahrung
Manchmal verweigert meine Brachypelma smithi über Wochen das Futter, auch wenn keine Häutung bevorsteht. Dies wird unter anderem auch von WEBB bestätigt, die individuelle Futtertiervorlieben ihrer Tiere beobachtete. Ich bin bisher aber mit Grillen und Heimchen gut gefahren und werde dabei bleiben. Eine bevorstehende Häutung kündigt sich oft durch eine kahle Stelle am Abdomen an, die sich dunkel färbt. Eine prächtige Spinne, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.
Terrarium
Standard für Bodenbewohner (30 x 30 x 20).
Licht
Ein 20 Watt Halogenspot im Terrarium schafft die nötige Wärme.
Temperatur
Tag 25-30° C, Nacht 18-20° C.
Luftfeuchtigkeit
60-70% Bodenfeuchtigkeit im Versteck.
Bodengrund
Im einfachsten Fall verwendet man Blumenerde als Bodengrund. Alternativ kann man aber auch andere Substrate wie z.B. Kokoshumus verwenden. Wichtig: so gut festdrücken, dass die Tiere nicht mit den Tarsen einsinken. Ich persönlich verwende aus optischen Gründen das Reptile Desert Ground (Werbung M&S Reptilien). Dieses Substrat ist ein Gemisch aus Sand und Geröll und hat einen lehmigen Anteil, d.h., es wir fest, wenn man es anfeuchtet, und es wieder abtrocknet. Hoch genug eingefüllt, könnten die Spinnen theoretisch auch Gänge bauen. Einige Terrarien mit diesem Bodengrund sind in der Terrarien-Galerie zu sehen. Alle Substrate brauchen nur selten befeuchtet zu werden, ein Teil des Bodens sollte jedoch ständig eine gewisse Feuchtigkeit aufweisen.
Einrichtung
5-7 cm hoher Bodengrund. Ein gebogenes Stück Korkrinde, eine Kokosnusshälfte o.ä. als Versteck. Notwendig ist zudem ein Trinknapf von ca. 8-10 cm Durchmesser mit einem Stückchen Korkrinde.
Fütterung
Heimchen, Grillen, Zophobas, Mehlwürmer. Ausgewachsene Weibchen nehmen auch Schaben und Nacktmäuse. Geht auch problemlos an frisches oder frisch aufgetautes Totfutter. Die Art legt manchmal mehrwöchige Fresspausen ein – kein Grund zur Beunruhigung.
Zucht
Laut WEBB ist die Verpaarung leicht. Sie gibt einen wertvollen Tipp: die Weibchen bauen ihren Kokon nur im Frühjahr, bevorzugt im März oder April. Bei einer Verpaarung, die bspw. im Spätsommer erfolgt, speichert das Weibchen den männlichen Samen. Das ist soweit unproblematisch, es sei denn, es häutet sich vor dem Frühjahr des nächsten Jahres. Dann gehen mit der Exuvie auch die männlichen Samen verloren und es muss eine neue Paarung erfolgen. Die Männchen “verbrauchen” sich schnell und sterben bereits ein halbes Jahr nach der Reifehäutung. Paarungsbereite Männchen produzieren wie bspw. auch Brachypelma albopilosum ein niederfrequentes Brummen, das für das menschliche Ohr deutlich hörbar ist. So benachrichtigen sie die Weibchen von ihrer Anwesenheit und stimmen diese auf sich ein. Zum Zeitpunkt der Eiablage sollte man sie Substratfeuchte etwas erhöhen. Ein Kokon kann bis zu 1000 Eier enthalten. Die Inkubationsdauer des Kokons beträgt laut SCHULTZ und SCHULTZ und MCKEE 91-92 Tage bei einer Durchschnittstemperatur von 26,7° C und einer Luftfeuchte von 60%. Die Spiderlinge sind beim Schlupf mit 5 mm recht klein und wachsen nur langsam. Sie erinnern frühestens nach einem halben Jahr an ihre Eltern. Erst im Alter von fünf Jahren erreichen sie ihre Geschlechtsreife.
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Literatur
KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen
KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen
PETERS, H.-J. (2000): Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 1
SCHULTZ, S.A. & M. J. SCHULTZ (1998): The Tarantula Keeper´s Guide
VON WIRTH, V. (1996): Vogelspinnen
WEBB, A. (2002): Vogelspinnen
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