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Schwarzrote Vogelspinne
Brachypelma vagans (AUSSERER, 1875) ehemals Eurypelma vagans
Beschreibung: AUSSERER beschrieb Brachypelma vagans 1875 als Eurypelma vagans anhand eines männlichen und eines weiblichen Exemplares aus der mexikanischen Provinz Yukatan. Die Art ist kräftig samtschwarz gefärbt und besitzt am Abdomen lange, rötliche Reizhaare, die sie als Bombardierspinne ausweisen. Der Rand des Carapax ist beige. Brachypelma vagans wird bis zu 8 cm lang und ist äußerst massig gebaut. Eine wunderschöne Spinne.
Verbreitung: Das große Verbreitungsgebiet der Art umfasst Kolumbien, Belize, Guatemala, Costa Rica, Honduras und Mexiko. Laut PETERS kommt Brachypelma vagans sowohl in trockenen als auch tropisch-feuchten, flachen als auch bergigen Gebieten vor und beweist damit ihre große Anpassungsfähigkeit. Bei der Art handelt es sich um einen Kulturfolger. KLAAS zufolge findet man sie häufig an Rodungsstellen unter verrottendem Holz. Er berichtet von einem Exemplar aus Palenque, das mit Blattschneideameisen zusammen lebte. Die gegenüber den Entdeckern äußerst aggressiven Ameisen ließen die Vogelspinne in Ruhe. KLAAS vermutet eine symbiotische Beziehung. SCHULTZ / SCHULTZ berichten von einer kleinen Kolonie von Brachypelma vagans, die 1996 in einem Orangenhain in Florida, USA gefunden wurde. Das “Florida Department of Agriculture and Consumer Services” rottete sie aus, um einer Faunenverfälschung vorzubeugen. Man nimmt an, dass die Population durch eines oder mehrere Tiere entstand, die entweder einem Hobbyarachnologen oder einer Tierhandlung entflohen waren oder per Schiffsladung oder auf Schwemmholz reisend die USA erreichten. Das Vorgehen der Regierung löste eine anhaltende Diskussion aus, wie in Zukunft mit solchen Fällen umzugehen sei. Das nenne ich mal einen Kulturfolger, alle Achtung.
Verhalten: Die Art ist friedlich und robust und damit auch für Einsteiger geeignet. Nur juvenile Tiere neigen manchmal dazu, etwas launisch zu sein. Sie gräbt in ihrem Versteck tiefe Höhlen.
Haltung im Terrarium
Eigene Erfahrung: Zwei Brachypelma vagans- und zwei Brachypelma smithi-Spiderlinge waren die ersten Spiderlinge, die ich (seinerzeit von PETERS) erhielt und komplett großzog. Die B. vagans-Spiderlinge wuchsen deutlich schneller heran. Nach gut einem Jahr ließ sich nach der Klaasschen Methode das Geschlecht feststellen: jeweils ein Pärchen. Zufall? Das Brachypelma vagans-Weibchen habe ich behalten; es erfreut sich bester Gesundheit. Eine wunderschöne Spinne, die in keiner Sammlung fehlen darf, und (noch) äußerst günstig zu bekommen.
Terrarium: Standard für Bodenbewohner (30X30x20).
Licht: Ein 20 Watt Halogenspot im Terrarium dient als Wärmequelle.
Temperatur: Tag 26-32° C, Nacht 18-20° C.
Luftfeuchtigkeit: 60-70% Bodenfeuchtigkeit im Versteck. Die generelle Luftfeuchte sollte nicht zu hoch liegen, da die Tiere sonst unruhig werden und zuviel im Terrarium herumlaufen. Dabei verausgaben sie sich unnötig und können sich verletzen.
Bodengrund: Blumenerde, Kokoshumus, Lauberde sind geeignete Substrate. Wichtig: so gut festdrücken, dass die Tiere nicht mit den Tarsen einsinken. Das Substrat kann ganzjährig fast trocken bleiben.
Einrichtung: 5-10 cm hoher Bodengrund. Ein gebogenes Stück Korkrinde o.ä. als Versteck und ein Trinknapf von ca. 8 cm Durchmesser mit einem Stückchen Korkrinde als Rettungsring für Futtertiere.
Fütterung: Heimchen, Grillen, Zophobas, Mehlwürmer. Ausgewachsene Weibchen nehmen auch Schaben, Nacktmäuse und Heuschrecken. Geht auch problemlos an frisches oder frisch aufgetautes Totfutter.
Zucht: Laut KOTHE verhalten sich die Weibchen bei der Paarung manchmal agressiv; es gilt, ein passendes Pärchen zu finden. Laut KLAAS “verbrauchen” sich die Männchen sehr schnell und gehen bereits ein halbes Jahr nach der Reifehäutung ein. Sie werden schon nach zwei Jahren geschlechtsreif. Die Weibchen hingegen können nach WEBB ein Alter von 15 Jahren erreichen. Vier Wochen nach der Kopulation baut das Weibchen den Kokon. KLAAS empfiehlt, das Substrat zum Zeitpunkt der Eiablage etwas feuchter zu halten. Die Inkubationsdauer des Kokons beträgt laut MCKEE 69 Tage bei einer Durchschnittstemperatur von 26,7° C und einer Luftfeuchte von 60%. Der Kokon enthält laut WEBB rund 300 Eier. Die Spiderlinge wachsen im ersten Lebensjahr schnell heran und sind gierige Fresser. Dies legt sich mit der Zeit. Im Alter von ca. sechs Monaten färben sich die Spiderlinge um und zeigen die Färbung adulter Tiere.
Literatur:
KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen
KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen
PETERS, H.-J. (2000): Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 1
SCHULTZ, S.A./SCHULTZ, M.J. (1998): The Tarantula Keeper´s Guide
WEBB, A. (2002): Vogelspinnen
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