Texas-Klapperschlange

Crotalus atrox BAIRD & GIRARD, 1853
Synonym: Westliche Diamantklapperschlange
 

Das Epitheton “atrox” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “furchtbar”.

 

engl. Name: Western Diamond-backed Rattlesnake, Texas Rattlesnake, Coon Tail

 

Schutzstatus

Es besteht kein Schutzstatus. Es ist jedoch dringend zu beachten, dass es je nach Bundesland strenge Haltungsbeschränkungen gibt. So ist z.B. in Hessen die Haltung von Giftschlangen prinzipiell verboten. Ein Sachkundenachweis ist in fast allen Bundesländern erforderlich.

Preiskategorie

Niedrig. Jungtiere kann man im Internet schon für ca. 25 Euro kaufen.

Schwierigkeitsgrad

Die Haltung dieser Art ist zwar nicht schwierig, sollte aber aufgrund der Gefährlichkeit der Tiere nur erfahrenen Haltern, insbesondere in der Haltung anderer Giftschlangen, vorbehalten sein. Es handelt sich absolut um keine Anfängertiere.

 

Beschreibung

Die Texas-Klapperschlange ist vermutlich die bekannteste Klapperschlange Nordamerikas, was sicherlich an ihrer Körpergröße, ihrem großen Verbreitungsgebiet, aber auch vermutlich nicht zuletzt wegen ihres häufigen Vorkommens hohen Gefährlichkeit liegt. Diese Umstände haben ihr den Namen “North America`s King of Rattlesnakes” eingebracht. GemeinsamKopfaufnahme eines Crotalus atrox mit C. viridis, C. exsul, C. tortugensis, C. ruber und C. adamanteus gehört sie zum Crotalus-atrox-Komplex. Das bevorzugte Habitat dieser Tiere ist trockenes Unterholz, Steppen, Kiefernwälder und Ausläufer von Wüsten, die mit Kakteen und Büschen (Prosopis, Cercidium, Parkinsonia) bewachsen sind. Man findet sie jedoch auch auf Müllhalden in der Nähe menschlicher Siedlungen. Die Populationsdichte kann mehr als 30 Tiere/km² betragen (SCHMIDT 2008). Diese Klapperschlange kommt bis zu einer Höhe von 2000 m vor, bevorzugt jedoch eher Lagen unter 1500 m ü. NN. Wie für viele Klapperschlangenarten typisch, trifft man die Tiere häufig auf Asphaltstraßen an, auf denen sie sich aufwärmen. Die Texas-Klapperschlange ist eigentlich tagaktiv, verschiebt ihre Aktivitätszeit jedoch bei hohen Außentemperaturen in die Dämmerungszeit.
Die Grundfarbe der Schlangen ist graubraun, kann je nach Herkunft aber von beige bis rotbraun variieren. Trotz der sehr variablen Färbung gibt es bisher keine Einteilung in Subspezies. Auf dem Rücken befinden sich bis zu 45 mit schwarzen und weißen Schuppen umrandete, bräunliche bis dunkelgraue rautenförmige Flecken, die ihr den englischen Namen diamontback eingebracht haben. Der Schwanz ist schwarz-weiß geringelt, was ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen äußerlich ähnlichen Arten ist. Der Kopf der Schlangen ist flach und breit und setzt sich deutlich über einen dünnen Hals vom plumpen Körper ab. Am Kopf befinden sich 12-18 (durchschnittlich 15,5) Oberlippen- und 14-20 (durchschnittlich 16,8) Unterlippenschilder (KLAUBER 1972). Seitlich zieht sich ein weiß umrandeter dunkler Streifen vom Auge zum Mundwinkel. DieSchwanzende der Texas-Klapperschlange Iris ist gelblich bis orange gefärbt. Die Pupille kann sich bei starkem Lichteinfall zu einem vertikalen Schlitz verengen. Der Körper ist wie schon erwähnt sehr plump geformt und läuft in einen schwarz-weiß geringelten Schwanz aus. In der Körpermitte befinden sich 23-29 (25) Reihen Rückenschuppen. Die Unterseite ist schmutzig weiß und dunkel gesprenkelt. Der Körper endet mit der namensgebenden Klapper, die normalerweise bei wildlebenden Exemplaren aus bis zu 5 Gliedern besteht. KLAUBER (1972) berichtet über ein Tier aus Texas mit 23 Segmenten. Tiere in Gefangenschaft haben für gewöhnlich mehr Segmente. Die Fortbewegung findet größtenteils durch seitliche Wellenbewegungen statt. Insgesamt bewegen sich die Tiere jedoch nicht viel. Im Frühjahr legen sie durchschnittlich 100 m und später 50-60 Crotalus atroxm am Tag zurück (SCHMIDT 2005). Die Aktivität dient hauptsächlich der Nahrungs- und Partnersuche. Natürliche Feinde haben adulte Exemplare kaum. SCHMIDT (2004b, 2005, 2008) nennt hier den Adler, Falke, Eule, Rennkuckuck, wildes Truthuhn, Kojoten, Dachse, Luchse, Schweine, Alligatoren, Ochsenfrösche und andere schlangenfressende Schlangengattungen (Lampropeltis, Masticophis, Coluber, Drymarchon und Pituophis), welche immun sind gegen das Gift der Klapperschlangen. Der größte Feind ist jedoch der Mensch, der das Fleisch und die Haut kommerziell nutzt. Da diese Schlangen keinen Schutz genießen, werden sie in den Vereinigten Staaten u.a. in jährlichen Rattlesnake-Roundups im größeren Stil gejagt.
Auch bei der Texasklapperschlange gibt es mittlerweile verschiedene Farb- und Formvarianten wie z.B. Albinos, Leuzisten oder melanistische Exemplare, die bei Züchtern sehr beliebt sind. GASCA (2007) berichtet sogar über zwei schuppenlose Exemplare.

Die Schlangen können sehr launisch sein und die meisten Giftschlangenopfer in den USA gehen auf das Konto von Crotalus atrox. Laut SCHMIDT (2005, 2008) verhalten sich die Tiere in Gefangenschaft jedoch nicht aggressiver als C. viridis. Werden die Tiere gestört, rollen sie sich zunächst tellerförmig zusammen. Kopf und die deutlich hörbare Rassel werden angehoben. Wird die Schlange weiterhin belästigt, geht sie in die Angriffsstellung über, indem sie die angehobene vordere Hälfte des Körpers S-förmig spannt. AusCrotalus atrox dieser Position stößt sie mit dem Vorderkörper pfeilschnell zum Biss vor. SCHMIDT (2008) warnt, dass Klapperschlangen in Gefangenschaft nicht immer dieses Verhalten zeigen und auch ohne Vorwarnung zubeissen können. Die Giftzähne können je nach Größe der Tiere bis über 13 mm lang sein, bewegen sich jedoch durchschnittlich zwischen 10 und 12 mm. Das Gift ist sehr potent (laut ERNST (1992) reichen 100 mg aus, um einen Menschen zu töten) und hat bei adulten Tieren eine vorwiegend fibrinolytische Wirkung. Nach einem Biss tritt eine starke schmerzhafte Schwellung der Extremität auf. Im Verlauf kommt es zu hämorrhagischen Blasen und nekrotischem Zerfall. Außerdem treten systemische Symptome wie Übelkeit und Erbrechen sowie Blutdruckentgleisungen auf. Die Giftmenge, die bei einem Biss injiziert wird, ist verhältnismäßig groß und in etwa vergleichbar mit der einer Diamantklapperschlange. Mit einem Biss kann ein 150 cm großes Tier eine Giftmenge von 1,27 ml injizieren. Diese Menge kann ausreichen, um 3 erwachsene Menschen zu töten. Nicht selten werden jedoch z.B. bei Abwehrbissen sehr viel geringere Mengen abgegeben. Bei Jungtieren bis zu einem Alter von acht Monaten hat das Gift eher eine koagulationfördernde Wirkung. Ein auf dem Markt erhältliches Antiserum ist z.B. CroFab™. Es handelt sich hierbei um ein Immunglobulin, das aus Schafen gewonnen wird, welche mit dem Gift von Schlangen immunisiert wurden, mit denen es in Nordamerika häufiger zu Unfällen kommt (C. atrox, C. adamanteus, C. scutulatus und Agkistrodon piscivorus).
Die pharmakologische Wirkung des Schlangengifts hat auch die Aufmerksamkeit der Pharmaindustrie auf sich gezogen, die die Eigenschaften industriell nutzen will.

Crotalus atrox kann angeblich bis zu 250 cm groß und 5 kg schwer werden, erreicht jedoch meist nur eine Länge von durchschnittlich 120 cm bis maximal 170 cm und ein Gewicht von durchschnittlich 2 kg. Die Schlangen können ein Alter von über 28 Jahren erreichen (ERNST & ERNST 2003). Eine Häutung findet bei adulten Tieren alle 60-90 Tage statt (GASCA 2007).

Eine Kreuzung mit C. adamanteus, C. ruber, C. scutulatus und C. molossus ist möglich, weshalb eine Vergesellschaftung mit diesen Arten unterlassen werden sollte.

Geschlechtsunterschiede

Die Männchen haben relativ zur Gesamtlänge einen längeren Schwanz. Dieser beträgt bei ihnen 7,9 % der Gesamtlänge, bei Weibchen nur 5,8 % (KLAUBER 1952). Außerdem verjüngt sich der Körper bei den männlichen Tieren langsam zum Schwanz hin, während er bei den Weibchen abrupt zum Schwanz übergeht. Männchen sind insgesamt 10-15 % länger als Weibchen. Eine unsichere Methode ist die Anzahl der Bauch- und Unterschwanzschilde. Weibchen besitzen von ersteren 174-196 (durchschnittlich 184,4), Männchen nur 168-193 (181,9) und von zweiteren 16-24 (20,1), Männchen 21-32 (25,7) (ERNST 1992).

Verbreitung

Südwesten der USA (Kalifornien inkl. einiger Inseln im Golf von Kalifornien, Nevada, Texas, Arizona, Arkansas, Oklahoma, New Mexico) und Nordmexiko (Sonora, Chihuahua, Neuvo León, Tamaulipas, Veracruz).

 

Haltung im Terrarium

Terrarium

Die Mindestterrariengröße für die Haltung eines Pärchens beträgt 1,25 x 0,5 x 0,75 x die Gesamtlänge der Tiere. SCHMIDT (2008) empfiehlt jedoch eine größere Grundfläche, damit den Schlangen eine Rückzugsmöglichkeit gegeben wird, was wiederum eine höhere Sicherheit für den Pfleger bedeutet. Da die Schlangen kaum klettern, braucht das Terrarium dafür nicht so hoch zu sein. Es muss dringend darauf geachtet werden, dass das Terrarium ausbruchssicher ist und auch Jungtieren keine Möglichkeit bietet zu entkommen.

Licht

Zur Beleuchtung verwendet man z.B. Leuchtstoffröhren und Wärmestrahler, die höher angelegte Plateaus gezielt bestrahlen. Im Sommer sollte das Licht 14 Std. täglich an sein.

TemperaturCrotalus atrox

Bei sehr hohen Außentemperaturen verkriechen sich die Schlangen in ihren kühleren Verstecken. In Habitatuntersuchngen wurden bei tagaktiven Tieren Körpertemperaturen zwischen 21 und 34 °C ermittelt. Eine Körpertemperatur von 39 °C kann zum Tod der Klapperschlange führen. Dementsprechend sollte die Temperatur tagsüber zwischen 25 und 30 °C und nachts zwischen 18 und 20 °C liegen (SCHMIDT 2005, GASCA 2007). Die Tagestemperaturen erreicht man mithilfe der Beleuchtung oder z.B. mit Heizmatten.

Luftfeuchtigkeit

40-60%. Es ist keine erhöhte Luftfeuchtigkeit notwendig. Häutungsprobleme kommen trotzdem selten vor (SCHMIDT 2008, GASCA 2007).

Einrichtung

Als Bodengrund empfiehlt SCHMIDT (2005, 2008) eine 3-5 cm Crotalus atrox im Terrariumhohe Sandschicht. GASCA (2007) verwendet aus praktischen und hygienischen Gründen Papier. Als Rückzugsmöglichkeit bietet man den Tieren eine Schlupfkiste mit einer verschließbaren Öffnung. SCHMIDT (2008) erwähnt hier schubladenförmig flache Kisten, die den benötigten Rückenkontakt bieten und notfalls mitsamt der Tiere aus dem Terrarium entfernt werden können. Der Deckel muss so angebracht werden, dass er abnehmbar ist, um eine Reinigung des Kisteninneren zu ermöglichen. Zur Dekoration verwendet SCHMIDT (2005) Kunststoffkakteen, trockene Grasbüschel und Kaktusskelette. Den Schlangen wird außerdem eine erhöhte Platform mit darüber angebrachtem Wärmestrahler angeboten. Wasserschalen werden kaum zum Baden benutzt, aber sie sollten trotzdem nicht fehlen, da gelegentlich getrunken wird.

Fütterung

Die Hauptnahrung besteht aus Nagern wie Mäusen und Ratten. Aber auch Vögel und deren Eier sowie Amphibien, Fische und Echsen (Cnemidophorus spp., Sceloporus spp. und Coleonyx spp.) werden gefressen. Es gibt ebenfalls Berichte, dass Heuschrecken (Brachystola) gefressen werden (KLAUBER 1972). Die größte Beute, über die berichtet wurde, war ein Eselshase. Größere Beute wird meistens gebissen und wieder losgelassen. Die Schlange wartet dann ab, bis das Opfer verendet ist und nimmt dann erst die Duftspur auf. Es wird sowohl lebendes als auch totes Futter angenommen. Letzteres muss jedoch vorher etwas erwärmt und mit einer langen Zange vor der Schlange bewegt werden. SCHMIDT (2008) weist darauf hin, dass man auch bei der Verfütterung toter Nahrung darauf achten sollte, dass ein Giftbiss provoziert wird, da im Gift Enzyme enthalten sind, die bei der Verdauung wichtig sein könnten. Jungtiere werden zunächst wöchentlich mit einer nestjungen Maus gefüttert. Adulti füttert man alle 2 Wochen mit zwei ausgewachsenen Mäusen oder Eintagsküken. GASCA (2007) berichtet über eine wöchentliche Fütterung der Adulti mit Mäusen. Die Schlangen sollten gezielt einzeln gefüttert werden, um unkontrollierbare Beißereien zu vermeiden, die zum Tod führen können. So berichtet SCHMIDT (2008) über den Tod einer jungen Klapperschlange, nachdem sie bei der Fütterung von ihren Artgenossen gebissen wurde.

Zucht

InJuvenile Texas-Klapperschlange freier Wildbahn geht der Paarungszeit eine Winterruhe voraus. Hierbei wandern die Schlangen bis zu 3,5 km weit zu ihren Winterquartieren. Als Winterquartier dienen meist Wohnhöhlen von grabenden Säugetieren wie z.B. dem Präriehund. In einer solchen Höhle versammeln sich nicht selten bis zu 100 Klapperschlangen. In Texas beginnt die Winterruhe etwa Mitte September oder Oktober und endet gegen Mitte April. Im Frühling können die Männchen dann bei Kommentkämpfen beobachtet werden. Zur Überwinterung reduziert SCHMIDT (2005, 2008) allmählich die Temperaturen und die Beleuchtungsdauer. Die Winterruhe dauert dann acht bis zehn Wochen (Dezember bis Februar) bei Temperaturen von 8-10 °C. Die Geschlechter müssen für eine erfolgreiche Zucht weder bei der Winterruhe noch bei der Geburt getrennt werden. Im Februar wird die Temperatur binnen 2 Wochen wieder gesteigert. GASCA (2007) berichtet über eine ca. fünfwöchige Winterruhe, in der die Beleuchtungsdauer auf 7 Stunden täglich reduziert wurde. Die Tagestemperaturen blieben gleich, allerdings verlängerten sich aufgrund der kürzeren Beleuchtungsdauer die kühleren Intervalle mit der Nachttemperatur. Die Fütterung wurde eingestellt. Kurz nach Ende der Winterruhe können schon Paarungsaktivitäten beobachtet werden. Die Paarung selbst kann mehrere Stunden dauern. GASCA (2007) vermutet sogar, Texas-Klapperschlangendass sie über 2 Tage dauern kann. Nach einer Trächtigkeit von etwa 170 Tagen bringen die Weibchen nach einem drei bis fünf Stunden dauernden Geburtsvorgang je nach Größe des Muttertieres bis zu 46 (KLAUBER 1972) oder sogar 61 (O’SHEA 2005) Jungtiere zur Welt . SCHMIDT (2005) berichtet von durchschnittlich 10-20 und ERNST (1993) von 10,6 Jungtieren. Das Muttertier kann einige Zeit vor der Geburt die Nahrungsaufnahme einstellen, jedoch wurde auch berichtet, dass einige Exemplare durchgehend fressen. Die Texas-Klapperschlange ist ovovivipar, d.h., dass die voll entwickelten Jungtiere während der Geburt aus der Eihülle schlüpfen. Einige Totgeburten sowie unbefruchtete Eier pro Wurf sind nicht ungewöhnlich (SCHMIDT 2005, 2008). Durchschnittlich ist der Nachwuchs bei der Geburt 28,5 (21,4-36,7) cm lang (ERNST & ERNST 2003). KLAUBER (1972) berichtet über Durchschnittslängen von 33 cm. Die erste Häutung findet nach 1-10 Tagen statt. Erste Nahrung wird nach etwa einer Woche angenommen. Um Verluste bei der Aufzucht zu vermeiden, sollten die Jungtiere immer der Größe nach sortiert werden. Ab einem Alter von 30 (GASCA 2007) bis 31 Monaten (SCHMIDT 2004 b) werden die Tiere geschlechtsreif. Weibchen wiegen dann mindestens 320 g bei einer Körperlänge von 80 cm, durchschnittlich wiegen sie jedoch mehr als 500 g. In der Natur pflanzt sich ein Weibchen alle 2 Jahre fort. Unter den guten Bedingungen in Gefangenschaft können sich die Schlangen durchaus jährlich fortpflanzen (SCHMIDT 2008).

 

Literatur

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