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Teppichchamäleon

Furcifer lateralis (GRAY, 1831)

 

Das Epitheton “lateralis” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet seitlich. Es bezieht sich auf den weißen Streifen, der sich seitlich am Körper der Tiere befindet.

englisch: Carpet Chameleon

 

Schwierigkeitsgrad

Mittel. Laut den Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien vom 10. Januar 1997 gilt diese Art als für Anfänger geeignet. Für einen Vertreter der Chamäleonfamilie macht Furcifer lateralis weniger Probleme, jedoch ist die Lebenserwartung mit 2-3 Jahren sehr gering, d.h. man hat wenig Zeit, um Nachzuchten zu bekommen. Untereinander können die Tiere sehr unverträglich sein und müssen ständig beobachtet werden. Eier werden selten vergraben, sondern einfach fallen gelassen, weshalb sie vertrocknen können. Ältere Tiere können an Zungenlähmungen leiden, die meistens nicht heilbar sind. Solche Tiere müssen eingeschläfert werden.

 

Beschreibung

Das Teppichchamäleon wurde 1831 von GRAY als Chamaeleo lateralis beschrieben und erst 1994 von GLAW & VENCES in die Gattung Furcifer überführt. Teppichchamäleons leben in ihrem Herkunftsland Madagaskar in fast allen möglichen Lebensräumen, bevorzugt werden allerdings Wiesen und Feldränder, wo sich die Echsen auf Büschen und lichten Bäumen aber auch am Boden aufhalten. Auch feuchte Grassavannen sowie Trocken- und Regenwälder werden bewohnt obwohl geschlossene Wälder normalerweise gemieden werden. Man könnte diese Echse sogar als Kulturfolger ansehen, der es auch in die Vorgärten von Madagaskars Hauptstadt Antananarivo geschafft hat und stark von den Rodungen durch den Menschen profitiert (HENKEL & HEINECKE 1993). Teppichchamäleons werden leider nicht sehr alt. NECAS (1999) gibt für Tiere in freier Wildbahn ein Durchschnittsalter von einem Jahr an. Insbesondere im Hochland sollen die adulten Tiere jedes Jahr im Winter sterben. In Gefangenschaft werden sie durchschnittlich 2-3 und selten auch 5 Jahre alt. Im Vergleich zu vielen anderen Chamäleons ist Furcifer lateralis sehr aktiv und erkundschaftet regelmäßig das Terrarium.

Durchschnittlich werden Teppichchamäleons 18-25 cm groß. Einzelne Exemplare können eine Länge von 28 cm erreichen, wobei Männchen für gewöhnlich größer werden als die Weibchen. Der Kopf läuft in einen flachen Helm aus. Weibliche Tiere sind intensiver gefärbt als die Männchen. Während der Balz und der Trächtigkeit zeigt sich die Färbung am besten. Die Tiere können äußerst bunt gefärbt sein. Ihren Trivialnamen “Teppichchamäleon” hat die Echse ihrer z.T. teppichmusterartig ornamentalen Zeichnung zu verdanken, wobei es nicht selten auch Echsen mit schlichter grünlicher Grundfarbe gibt. Seitlich zieht sich ein gelegentlich in regelmäßigen Abständen unterbrochener weißer Streifen vom Kopfende bis zum Schwanzansatz. An den Flanken zeigen sich außerdem 3-4 ringförmige Flecken mit schwarzer Umrandung. Die Haut in der direkten Umgebung des Seitenstreifens kann rostrot gefärbt sein. Ober und- unterhalb des Seitenstreifens zeigt sich ein Punkt- und Strichmuster aus Gelb-, Grün-, Rot- und Weißtönen. Der Schwanz ist abwechselnd gelb und grün geringelt mit eingestreuten schwarzen Flecken. Manchmal weisen einige Exemplare hellblaue Flecken an den “Wangen” auf. Bei Stress kann die Farbe in ein Dunkelbraun umschlagen.

Laut HENKEL & HEINECKE (1993) ist eine Vergesellschaftung mit anderen Reptilein- und Amphibienarten möglich, sofern sie nicht zu klein sind und es keine anderen Chamäleons sind.

Geschlechtsunterschiede

Wie erwähnt sind die Weibchen bei der Balz intensiver gefäbt als die Männchen. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist jedoch die verdickte Schwanzwurzel bei den Männchen. Der Seitenstreifen ist bei den Weichen normalerweise immer weiß gefärbt und kann bei den Männchen auch rosafarben sein.

Unterarten

  • Furcifer lateralis lateralis (GRAY, 1831)
  • Furcifer lateralis major (GRAY, 1831)

Verbreitung

Ursprünglich kamen die Tiere vermutlich nur in Zentral-Madagaskar vor und haben sich jetzt fast über ganz Madagaskar verbreitet, wobei der Norden und Nordwesten noch nicht besiedelt wurden. Eine exakte Typuslokalität gibt es nicht. GRAY gibt nur Madagaskar als Lokalität an.

Haltung im Terrarium

Terrarium

DOST & DOST (2001) geben für ein einzelnes Tier eine Terrariengröße von 40 x 40 x 60 cm an. Der Terrariendeckel bestand komplett aus Lochblech. Für ein Wildfangpärchen empfehlen sie 120 x 60 x 120 cm. HENKEL & HEINECKE (1993) berichten über eine Terrariengröße von 40 x 40 x 50 cm für ein einzelnes Tier. BRUINS empfiehlt ein Terrarium mit mehreren Seitenflächen aus Gaze, da die Tiere viel Frischluft benötigen. SCHMIDT (1999) empfiehlt für ein einzelnes Tier eine Terrariengröße von 30 x 40 x 60 cm. Etwa 50% des Deckels sollte die Belüftung ausmachen. Furcifer lateralis kann von Anfang Mai bis Ende September im Freilandterrarium gehalten werden. Evtl. muss mit einer Spotbirne geheizt werden, falls es längere Zeit kühl bleibt. Teppichchamäleons sind sehr aggressiv und sollten nicht mit anderen Chamäleons vergesellschaftet werden. Männchen und Weibchen werden nur zur Verpaarung zusammengesetzt. Auch ein Blickkontakt zu anderen Chamäleons sollte unterbunden werden.

Licht

DOST & DOST (l.c.) verwenden eine 50 W HQL “de Luxe” Birne. SCHMIDT (1999) empfiehlt auch eine 50 W HQL-Lampe. HENKEL & HEINECKE (1993) empfehlen eine tägliche Beleuchtungsdauer von 12 Stunden.

Temperatur

20-25 °C. Nachts kühl halten bei ca. 15 °C. SCHMIDT (1999) nennt je nach Jahreszeit Tagestemperaturen von 23-32°C und Nachttemperaturen von 15-25°C, wobei 32°C nicht überschritten werden dürfen. HENKEL & HEINECKE (1993) empfehlen Tagestemperaturen von 25-28 °C, wobei 30 °C nicht überschritten werden sollten. Nachts kann die Temperatur auf 16-20 °C absinken.

Luftfeuchtigkeit

70-80%. Durch tägliches Sprühen versucht man die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten. SCHMIDT (1999) nennt 60-100%.

Einrichtung

DOST & DOST (l.c.) geben als Bodengrund eine bis zu 10 cm Dicke Schicht an Terrarienerde an, die mit Eichenlaub bedeckt wurde. Dier Erde wurde mit einer 15W Heizmatte (25 x 35 cm) auf 22-26 °C erwärmt. Als Klettermöglichkeit wurden ein Ficus benjamini und Haselnusszweige verwendet. Wichtig ist eine reiche Verzweigung, um genügend Klettermöglichkeiten zu schaffen. Der Bodengrund sollte immer ausreichend feucht sein, da die Weibchen ihre Eier häufig nicht vergraben sonder einfach auf den Boden fallen lassen, so dass Vertrocknungsgefahr besteht. HENKEL & HEINECKE (1993) berichten, dass die Seiten- und Rückwände mit Kork oder Felsimitationen beklebt werden können, damit die Tiere keinen Sichtkontakt zu den Nachbarterrarien haben.

Fütterung

Das Teppichchamäleon ist nicht sehr wählerisch bei der Nahrungsaufnahme. Verfüttert werden Grillen, Fliegen, Raupen, Schaben etc. DOST & DOST (2001) geben an, dass grüne Insekten besonders gern angenommen werden. In der Natur fressen sie zumindestens im Süden Madagaskars vermutlich häufiger bunt gefärbte Heuschrecken (SCHMIDT & LIEBEL 1997). HENKEL & HEINECKE (1993) empfehlen, trächtige Weibchen täglich zu füttern. Das Futter sollte regelmäßig mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert werden.

Zucht

Bedingt durch die sehr kurze Lebenszeit erreichen diese Chamäleons schon sehr früh die Geschlechtsreife. Allerdings ist zu bedenken, dass die Tiere mit 2,5 Jahren die Fortpflanzung auch wieder einstellen. Zu Paarungszwecken empfehlen HENKEL & HEINECKE (1993), das Weibchen zum Männchen ins Terrarium zu setzen. Das Männchen nähert sich dann dem Weibchen mit nickenden und ruckenden Bewegungen. Ist das Weibchen nicht zur Paarung bereit, wehrt es sich fauchend mit geöffnetem Maul. Paarungswillige Weibchen reagieren gar nicht. Nach der etwa 10-30minütigen Kopulation wird das Pärchen sofort wieder getrennt. Die Tragezeit dauert etwa 30-52 Tage. HENKEL & HEINECKE (1993) geben eine Trächtigkeit von 24-52 Tagen an. Furcifer lateralis-Weibchen lassen ihre Eier gerne auf den Boden fallen, statt sie zu verbuddeln. HENKEL & HEINECKE (1993) weisen darauf hin, dass sich befruchtete Eier nach 14 Tagen an einem kleinen roten Punkt an der Eioberseite erkennen lassen. Die Eier können z.B. in Vermiculit inkubiert werden. Die ersten 45 Tage inkubiert man bei etwa 24-27°C. Dann simuliert man eine kalte Phase, indem man die Eier ca. 40 Tage bei ca. 10-15°C inkubiert. Dann hält man die Temperatur bis zum Schlupf der Jungtiere bei 24-27°C. Bei diesem Vorgehen schlüpfen die Chamäleons nach ca. 180 Tagen. SCHMIDT (1999) erwähnt Zeitigungsdauern von 154-378 und HENKEL & HEINECKE (1993) von 159-358 Tagen. BRUINS gibt eine Zeitigungstemperatur von 25-28°C in den ersten 45 Tagen und eine Temperatur von 12-18°C in den nächsten 45 Tagen an. Danach wird die Temperatur wieder auf 25-28°C hochgedreht. Auch eine Bebrütung bei einer konstanten Temperatur von 24-25°C sei möglich, wobei die Jungen dann nach 5-6 Monaten schlüpfen. Die frisch geschlüpften Chamäleons haben eine Größe von 28-35 mm.

Die Nachzucht muss man evtl. getrennt aufziehen, da Teppichchamäleons untereinander unverträglich sind. DOST & DOST (l.c.) hielten ihre 10 Jungtiere in einem Terrarium mit den Maßen 60 x 60 x 60 cm, ohne dass es zu Schwierigkeiten gekommen wäre. Das Terrarium wurde mit einer 15W Heizmatte und mit einer 50W HQL Birne “de Luxe” erwärmt (am Boden 18-22°C und im oberen Drittel 25°C). Nach drei Monaten können die Tiere eine Länge von 10 cm erreichen und nach 4-6 Monaten geschlechtsreif sein.

Literatur

ANGEL, F. (1921): Contribution à l’étude des Chamaeleons de Madagascar. - Bull. Mus. nat. Hist. nat., Paris 27(5-6): 328-331, 406-412.

BRUINS, E. : Terrarien Enzyklopädie - Karl Müller Verlag, S. 210.

BRYGOO, E. R. (1971): Reptiles Sauriens Chamaeleonidae. Genre Chamaeleo. - Faune de Madagascar, ORSTOM et CNRS, Paris 33: 1-318.

DOST, U. & K. DOST (2001): Erfahrungen bei der Pflege und Nachzucht des Teppichchamäleons. - REPTILIA, Natur- und Tierverlag, Münster, 6(30): 55-60.

DUMÉRIL, A. M. C. & G. BIBRON (1836): Erpetologie Générale ou Histoire Naturelle Complete des Reptiles. Vol. 3. - Libr. Encyclopédique Roret, Paris, 216 pp.

GLAW, F. M. VENCES (1994): A Fieldguide to the Amphibians an Reptiles of Madagascar. - Vences & Glaw Verlag, Köln.

GRAY, J. E. (1831): A synopsis of the species of Class Reptilia. In: GRIFFITH, E. & E. Pidgeon: The animal kingdom arranged in confirmity with its organisation by the Baron CUVIER with additional descriptions of all the species hither named, and of many before noticed [Vol. 9]. - Whittaker, Treacher and Co., London: 481 + 110 pp.

GRAY, J. E. (1865): Revision of the genera and species of Chamaeleonidae, with the description of some new species. - Ann. Mag. Nat. Hist. (3)15: 340-354.

HENKEL, F. W. & S. HEINECKE (1993): Chamäleons im Terrarium. - Landbuch Verlag, Hannover

KRÜGER, J. (1999): Neue Erkenntnisse zur Faunistik einiger Reptilien Madagaskars. - Salamandra 35(2): 65-76.

LEPTIEN, R. (2003): Getting started keeping chamaeleons. - Reptilia (GB) (26): 11-14.

LIEBEL, K. & W. SCHMIDT (2001): Reise in den zentralen Westen Madagaskars. - Reptilia, Münster, 6(30): 74-82

NECAS, P. (1999): Chamäleons, bunte Juwelen der Natur. - Edition Chimaira, Frankfurt/M.

RAXWORTHY, C. J., E. MARTINEZ-MEYER, N. HORNING, R. A. NUSSBAUM, G. E. SCHNEIDER, M. A. ORTEGA-HUERTA & A. T. PETERSON (2003): Predicting distributions of unknown reptile species in Madagascar. - Nature 426: 837-841.

SCHMIDT, W. (1986): Über die Haltung und Zucht von Chamaeleo lateralis (GRAY, 1831).

SCHMIDT, W. (1999): Rubrik “Rat und Tat” der REPTILIA Nr. 15, 4(1): 87, Natur und Tier-Verlag, Münster.

SCHMIDT, W., K. TAMM & E. WALLIKEWITZ (1996): Chamäleons, Drachen unserer Zeit. - Natur und Tier-Verlag, Münster.

SCHMIDT, W. & K. LIEBEL (1997): Reise in den Südosten Madagaskars. - Natur und Tier-Verlag, Münster, REPTILIA 5: 33-38.

 

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