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Nördlicher Kammmolch
Triturus cristatus (LAURENTI, 1768)
Das Epitheton leitet sich vom lateinischen Wort crista = Leiste, Kante, Kamm ab. Es bezieht sich auf den Rückenkamm der Männchen in der aquatischen Phase.
engl.: Northern Crested Newt, Warty Newt, Great Crested Newt
Schutzstatus
Der Kammmolch gehört nach der BArtSchV zu den besonders geschützten Arten.
Beschreibung
Der Kammmolch wurde im Jahre 1768 von LAURENTI als Triton cristatus beschrieben. Er ist die größte deutsche Molchart. Triturus cristatus hält sich besonders lange im Wasser auf (etwa die Hälfte des Jahres THIESMEIER & KUPFER 2000). KUPFER (1996) ermittelte Werte für Männchen von 241 Tagen und bei Weibchen 162 Tage. Normalerweise verlassen sie die Gewässer jedoch nach der Paarung etwa im Zeitraum von Mai bis August. Das typische Biotop sind langsam fließende oder stehende, besonnte größere Gewässer mit reichem Pflanzenwuchs. Häufig findet man Kammmolchgewässer auf offenem Weideland oder in der Nähe von Laub- und Mischwäldern. Normalerweise suchen die Molche fischfreie Gewässer auf. Als Landhabitat wählen sie bevorzugt Wälder und Gebüsche, wo sie den Tag unter Totholz und Steinen verbringen. Die Tiere kommen bis zu einer Höhe von 1750m vor (CABELA & TIEDEMANN 1985), obwohl sie eher das Flachland bevorzugen und hauptsächlich auf einer Höhe unter 400 m leben. Die Landform ist nachtaktiv, während die Wasserform auch tagaktiv ist. Bei Bedrohung rollen sich die Molche seitlich ein (mit dem Kopf zur Kloake hin) und sondern giftige Sekrete ab, die die Schleimhäute reizen können. Das letzte Drittel des Schwanzes wird ebenfalls eingerollt.
Triturus cristatus ist an der Oberseite braun-schwarz gefärbt. Der Bauch ist gelb bis leuchtend orange. Über den gesamten Körper verteilen sich dunkle Flecken, welche am Bauch wie ein individueller Fingerabdruck verteilt sind und zur Identifizierung einzelner Individuen genutzt werden können. An den Flanken finden sich zahlreiche weiße Punkte. An den Seiten des Schwanzes findet man bei den Männchen in Wassertracht ein silbrig-blaues Band. Die Haut ist nicht glatt, sondern mit Warzen besetzt. Die Extremitäten sind kräftig und an den Innenseiten sowie an den Fingerspitzen ebenfalls gelblich bis orange gefärbt.
Es soll auch zwergwüchsige Kammmolche in der Region um das Berchtesgadener Land geben (TREPTE 2004). Es wird hier vermutet, dass es sich um Bastarde aus Triturus cristatus und T. carnifex handelt (SCHMIDTLER 1976). Neuere Untersuchungen zeigten, dass T. carnifex tatsächlich im Berchtesgadener Land vorkommt (FRANZEN et al. 2002). TREPTE (2004) vermutet jedoch, dass es sich nicht um rein zwergwüchsige Tiere handelt. Vermutlich erreichen sie nur schon im frühen Alter bei geringer Körpergröße die Geschlechtsreife (ca. 6-7 Monate nach der Metamorphose).
Eine Bastardisierung mit ausgesetzten Marmormolchen ist möglich (RIMPP 1990). In der Natur findet man den Kammmolch mit vielen anderen Amphibien zusammen. Besonders häufig kommt er mit dem Teichmolch zusammen vor.
Männliche Exemplare können eine Gesamtlänge von 14-18 cm erreichen, Weibchen sogar eine von 20 cm. Der Schwanz ist etwas kürzer als der Rumpf. KÜHNEL ermittelte an 1496 Tieren aus Berlin, dass 69,3 % der Weibchen zwischen 110 und 140 mm groß waren. 80,8% der Männchen waren zwischen 100 und 130 mm groß. Der Maximalwert bei Weibchen lag bei 168 mm und bei Männchen bei 156 mm. In menschlicher Obhut können die Tiere ein Alter von 18 Jahren erreichen (TREPTE 2004).
Geschlechtsunterschiede
Während des Aufenthaltes im Wasser ist der sekundäre Geschlechtsdimorphismus besonders stark ausgeprägt. Die Männchen besitzen am Schwanz und Rücken einen auffälligen Kamm, der nicht durchgehend, sondern in Höhe des Schwanzansatzes unterbrochen ist. Auf dem Rücken ist dieser tief gezackt. Nach BAKER & HALLIDAY (2000) steht die Morphlogie in Zusammenhang mit dem Alter der Tiere. Sie unterscheiden vier Typen: fingerförmig, gezackt, gesägt und unregelmäßig. Junge Molche haben ehrer fingerförmige und ältere Exemplare eher unregelmäßige Zacken. Die Weibchen haben keinen Kamm, höchstens einen erhöhten Hautsaum am Schwanz. Auch die Kloakalwülste sind bein Männchen zur Paarungszeit besonders stark ausgeprägt. KÜHNEL (2000) erwähnt, dass die Kloake beim Männchen dunkel pigmentiert ist und einen deutlichen Längsspalt zeigt. Die Form ist halbkugelförmig. Die Kloake des Weibchens ist kegelförmig und wie der umliegende Bauchbereich gefärbt. Ein weiteres Merkmal ist die Unterkante des Schwanzes, die bei Weibchen ebenfalls bauchfarben ist, während sie beim Männchen dunkel ist.
Verbreitung
Weite Teile Europas außer der Iberischen Halbinsel, S.-Frankreich, Irland, Italien, Griechenland, Albanien, ehemaliges Jugoslawien, Bulgarien und N.-Skandinavien (es sind lediglich isolierte Funde in Südnorwegen und Südfinnland bekannt, nördlichstes Vorkommen in Norwegen bei 64° n. Breite). Im Osten bis nach Westsibirien (65°O). Die südliche Grenze in Mitteleuropa liegt etwa in Höhe von der Schweiz und Österreich nördlich des Alpenhauptkammes. Weiter östlich setzt sich die südliche Grenze über die Südslowakei entlang der Grenze zwischen Ungarn und der Ukraine fort.
Unterarten
Der Kammmolch ist monotypisch. Früher wurden unter Triturus cristatus noch weitere Unterarten genannt, die nach neuerer Erkenntnis jedoch als selbstständige Arten aufgezählt werden. Hierzu gehören:
- Triturus carnifex (Alpenkammmolch)
- Triturus dobrogicus (Donau-Kammmolch)
- Triturus karelinii (Südlicher Kammmolch)
Haltung im Terrarium
Terrarium
KÜHNEL(2000) empfiehlt ein Aquarium, das als Aquaterrarium eingerichtet wird. Während der Fortpflanzungszeit können die Tiere in einem reinen Aquarium mit einer Grundfläche von mindestens 60x30 cm gehalten werden. Das Wasser sollte mindestens 20 cm hoch eingefüllt werden. Das Behältnis muss einen ausbruchssicheren Deckel besitzen, der zum Teil aus Gaze bestehen sollte.
Licht
Als Licht verwendet man z.B. Leuchtstoffröhren.
Temperatur
Im Sommer sollten die Temperaturen bei 20-25 °C liegen. Im Winter kann die Temperatur auf ca 5 °C herabgesetzt werden
Luftfeuchtigkeit
Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist erforderlich. Sie sollte bei 80-90 % liegen.
Einrichtung
Im Wasserbereich werden Wasserpflanzen wie z.B. die Wasserpest eingesetzt. Sie dienen als Versteck und als Substrat für die Eiablage. In der Natur werden meist die Flutenden Schwaden (Glyceria fluitans) genutzt. KÜHNEL (l.c.) baut den Landteil aus Hohlziegeln, auf die mit Moosen oder Farnen bewachsene Steinplatten gelegt werden. Auf dem Landteil werden dann Rindenstücke übereinander gelegt und dienen als Versteck.
Fütterung
Rote Mückenlarven, Wasserflöhe, Tubifex, Muschelkrebse, Wasserschnecken, Nacktschnecken, Egel, Regenwürmer, Fliegen und Motten. Auch andere Molche, Froschlaich und Kaulquappen werden gelegentlich gefressen.
Zucht
Die Tiere halten eine Winterruhe. KÜHNEL (l.c.) empfiehlt eine Überwinterung in einem Terrarium mit kleinem Wasserteil bei 3-6 °C. Alternativ lässt man die Molche bei 2-3 °C im Kühlschrank überwintern. Je nach Herkunft liegt die Fortpflanzungszeit in der Natur zwischen März und Mai. Ab ca. Februar wandern die Molche zu ihren Laichgewässern, wobei sich die Männchen meistens früher zu den Laichgewässern begeben. Es werden dabei teilweise Strecken von über 1000 m zurückgelegt (KUPFER 1998). Massenwanderungen, wie z.B. bei der Erdkröte (Bufo bufo), finden nicht statt. Die Paarung verläuft nach dem für die Gattung Triturus typischen Ritual.
Nach der Paarung werden die Eier einzeln mit den Hinterbeinen in Blättertaschen abgelegt. In einem Zeitraum von 1-3 Monaten können bis zu 200 gelbliche und bis zu 2 mm große Eier abgelegt werden (KUPFER 2001). KÜHNEL (l.c.) erwähnt 200-500 Eier. Bei einer Wassertemperatur von 15-16 °C schlüpfen die Larven nach 15-20 Tagen. Die Larven müssen getrennt von den Eltern aufgezogen werden, da erwachsene Kammmolche sie sonst fressen würden. Beim Schlupf sind sie ca. 10-11mm groß. In den ersten Wochen nach dem Schlupf fressen die Larven noch nichts, später reicht man ihnen z.B. Wasserflöhe, Tubifex und rote Mückenlarven in passender Größe. Die Larvenphase dauert je nach Temperatur ca. 2-4 Monate. KÜHNEL (l.c.) erwähnt eine Dauer von 3 Monaten bei einer Wassertemperatur von 20 °C. Bei einer Körperlänge von ca. 60-80 mm beginnt die Metamorphose. Zuerst entwickeln sich die Vorderbeine und dann die Hinterbeine.
Über den genauen Zeitpunkt der Geschlechtsreife herrscht Uneinigkeit. WERMUTH (1957) gibt ca. 4 Jahre an, TREPTE (1997), THIESMEIER & KUPFER (2000) und ARNTZEN (2003) geben 2-3 Jahre an, ENGELMANN et al. (1993) geben 2-5 Jahre an. In menschlicher Obhut soll die Geschlechtsreife sogar in nur einem Jahr eintreten können (GAREIS 1996).
Literatur
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