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Erwerb von Vogelspinnen
Sind die Frage des Ob, des Was und des Wie geklärt, folgt die Entscheidung des Woher. Wo erwerbe ich das Tier? Soll es in freier Natur gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet sein? Welches sind die besten Erwerbsquellen?
Nachzucht oder Wildfang?
Ich rate dem Einsteiger vom Kauf von Wildfängen dringend ab. Mittlerweile entwickelt sich Deutschland zum Vogelspinnen-Zentrum Europas. Die Auswahl an regelmäßig nachgezüchteten Arten steigt stetig und liefert ein weites Spektrum an Boden- und Baumbewohnern sowie unterirdisch lebenden Arten aus allen Teilen der Erde. Dem Interessierten bietet sich eine große Farben- und Formenvielfalt. Darüber hinaus sind Nachzuchten eher an die Pflege im Terrarium gewöhnt und damit robuster und weniger aggressiv. Wildfänge leiden mitunter an Parasiten, Viren oder anderen Krankheiten oder schlicht an Stress und Dehydrierung. Ein infizierter Wildfang kann eine ganze Vogelspinnensammlung anstecken. Ohne strenge Beachtung von Quarantänemaßnahmen holen wir uns damit eine potentielle Bedrohung unserer übrigen Pfleglinge nach Hause.
Die Haltung von Wildfängen, also ihrem natürlichen Lebensraum entnommenen und von uns importierten Tieren, sollte Experten vorbehalten bleiben. Anders als ein Laie kann ein erfahrener Züchter die Art unter Umständen vermehren und sie somit vor dem Aussterben bewahren. PETERS berichtet von der Aufregung um Brachypelma smithi: Sie wurde Mitte der achtziger Jahre unter das Washingtoner Artenschutzabkommen gestellt, da die Bestände der begehrten Art in ihrem Ursprungsland Mexiko immens zurück gegangen waren. Mexiko erhob ein Exportverbot für alle Tier- und Pflanzenarten. Die Vogelspinnenhalter aus den USA aber waren regelrecht verrückt nach Brachypelma smithi. Statt sie von ihren direkten Nachbarn beziehen zu können, kauften sie auf dem deutschen Markt teuer Nachzuchten ein und importierten sie. Erfolgreiche und langfristige Zuchtprogramme hatten und haben die Art in Deutschland etabliert. Mittlerweile ist es nicht besonders schwierig, eine Brachypelma smithi zu einem angemessenen Preis zu erstehen.
Natürlich ist für Arachnologen die Entnahme von Wildfängen zu Forschungszwecken legitim. Anders könnten nicht regelmäßig neue Arten und Unterarten entdeckt und danach die Systematik der Vogelspinnen weiter komplettiert werden.
Wo kaufe ich eine Vogelspinne?
Da gibt es keine endgültige Antwort. Viele Wege führen nach Rom…
Tierhändler
Händler bieten fast ausschließlich adulte und gelegentlich subadulte Tiere an, weil sie für diese höhere Preise erzielen. Sie sind Zwischenhändler und verdienen an der Differenz des Kaufpreises beim Exporteur des Herkunftslandes oder beim inländischen Züchter und ihres Verkaufspreises. Sie erhalten adulte Vogelspinnen besonders günstig als importierte Wildfänge. Der Züchter braucht für das Großziehen seiner Nachzuchten Zeit - zwischen drei und sieben Jahre - und damit Arbeit und Geld. Er kann keines seiner Tiere so billig wie Wildfänge anbieten, auch dem Zwischenhändler nicht. Händler müssen ihre Kosten decken und darüber hinaus Gewinn erzielen. Dies treibt ihre Preise im Vergleich zu Privatanbietern spürbar nach oben. Eine kompetente Beratung, Nachweisbeleg (wichtig bei WA I und II-Tieren) und eine solide Auswahl mögen zum Kauf bei Fachhändlern einladen. Um günstig ausgewachsene Tiere oder Spiderlinge zu erwerben, ist der Weg zum Fachhändler ein Fehler.
Züchter
Nur unter optimalen Bedingungen wird sich eine Vogelspinne züchten lassen. Sie beweist damit, dass die Bedingungen ihres Terrariums für sie zur Vermehrung geeignet sind. Züchter müssen anders als Händler Vogelspinnen relativ artgerecht pflegen, sonst haben sie keinen Erfolg. Jeder Züchter trägt mehr zur Artenfestigung bei als ein Händler. Von ihm aber erhält er - ggfs. ergänzt durch eigene Wildfänge - neue, gefragte Arten, die noch nicht oder selten gezüchtet wurden. Händler und ihre Importpartner sorgen damit für Artenvielfalt (wie Arachnologen bei der Feldforschung, aber aus kommerziellen Motiven); Züchter zur Artenfestigung.
Es gibt private und kommerzielle Züchter. Private Züchter haben Liebhabertiere erworben, züchten sie und sind bei dem oft einmaligen Verkauf der Nachzucht eher an Kostendeckung oder dem Tausch gegen andere Arten als an monetärem Profit interessiert. Kommerzielle Züchter vermehren stetig etablierte und dennoch gefragte Arten wie Theraphosa blondi, Brachypelma smithi, Avicularia versicolor oder Chromatopelma cyanopubescens. Sie ergänzen ihr Portfolio gelegentlich durch den Erwerb trächtiger Wildfang-Weibchen. Private wie kommerzielle Züchter bieten Ihre Tiere überwiegend im Internet an. Einen ersten Überblick über vertrauenswürdige Züchter gibt die Weiße Liste der Spinnenhalter/-zchter.
Terraristik-Börsen
Mittlerweile gibt es eine wachsende Anzahl von regelmäßig stattfindenden Terraristik-Börsen in Europa, bei denen oft auch Vogelspinnenzüchter vertreten sind. Die bekannteste deutsche Börse für Terrarientiere und die laut Veranstalter größte der Welt ist die Terraristika Hamm, die zweimal jährlich stattfindet. Hier trifft sich das Who is Who der internationalen Terrarienszene. Eine größere Auswahl an Vogelspinnen wirst Du schwerlich finden. Es gibt darüber hinaus stetig neue Börsen von zunächst lokaler Bedeutung - wenn Du Glück hast, ist eine in Deiner Nähe dabei. Hier kann man von privaten und kommerziellen Züchtern detaillierte Haltungstipps einholen und wertvolle Kontakte knüpfen.
Online-Börsen - die Gesetze des freien Marktes
Mittlerweile gibt es in der Vogelspinnenszene regelmäßig Nachzuchten verschiedenster Arten. Auf etablierten Online-Börsen wie dem Vogelspinnen-Ring geht es in Stoßzeiten zu wie an einer Börse: Angebot und Nachfrage bestimmen den Handel, dadurch sind seltene Arten besonders gefragt. Es entstehen Trends, die sich an Anzeigeninhalten frühzeitig ablesen lassen. Mal geht es nach Farbenpracht, mal nach Größe, mal nach beidem, aber immer nach Seltenheit. So gibt es neben den lange bekannten und weit verbreiteten Arten immer wieder neue Stars am Vogelspinnenhimmel. Neben Evergreens wie Brachypelma smithi und Avicularia metallica erscheinen vielversprechende Arten wie Chromatopelma cyanopubescens, Avicularia minatrix, Psalomopoeus irminia und Brachypelmides ruhnaui. Arten wie Poecilotheria metallica, Ephebopus cyanognathus und Aphonopelma stoicum sorgen für zusäzlichen Wirbel. Man muss tagesaktuell auf dem Laufenden bleiben, will man begehrte Arten ergattern - ein absolut faszinierender Aspekt des Hobbys. Hier kannst Du Deine Erfahrungen mit der am weitesten verbreiteten Online-Börse für Vogelspinnen in Deutschland sammeln: dem Vogelspinnen-Ring.
Kauf oder Tausch?
Für den Anfänger kommt zu Beginn nur der Kauf in Frage. Um zu tauschen, muss man zuerst zu Vogelspinnen oder Nachzuchten besitzen. Der Fortgeschrittene kauft nur, wenn der Tausch nicht gelingt. Oft dient der Tausch zur Zucht: der Besitzer eines Männchens und der eines Weibchens sprechen sich ab und vereinbaren, die Tiere zu verpaaren und den Kokon aufzuteilen. So haben beide etwas davon, ohne das Geld geflossen ist. Dennoch können sie natürlich ihre Hälfte der Nachzucht weiterverkaufen oder erneut tauschen.
Egal wo - was zählt, ist Fairness
Grundsätzlich muss die Erfüllung des Kauf- oder Tauschvertrages von beiden Seiten gewährleistet sein und somit ein Grundvertrauen bestehen. Dann muss der Preis stimmen: Ein angemessener Preis für ein adultes Weibchen einer regelmäßig gezüchteten und damit etablierten Art liegt zwischen 20,- und 80,- Euro. Bei Jungtieren oder Spiderlingen, die in ihrer Aufzucht hochinteressant sind und viel Freude machen, bewegt er sich gewöhnlich um 1 bis 10,- Euro pro Tier. Diese Preise steigen kontinuierlich mit Seltenheit und Gefragtheit der Vogelspinne.
Literatur
KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen
KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen
Transport
Jeder Vogelspinnenpfleger wird kurz- oder langfristig mit der Frage des Transportes seiner Tiere konfrontiert. Dies liegt generell an der recht hohen Lebenserwartung vieler Theraphosidae von bis zu 30 Jahren wie bei Weibchen der Art Brachypelma smithi. Früher oder später wird in dieser Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach ein Umzug nötig.
Persönlicher Transport
Der Transport entfällt auf die Umsetzung einer Vogelspinne in eine Grillenbox, bei größeren Arten über 6 cm Körperlänge in eine entsprechende Tupperbox. Spiderlinge transportiert man in Fotodosen, die es auf Anfrage kostenlos bei jedem Fotogeschäft in Massen gibt. Der Freiraum um das Tier wird vorsichtig mit trockenem Küchenwischtuch oder Toilettenpapier ausgestopft, so dass die Spinne nicht umher rutschen und sich dabei verletzen kann. Das Füllmaterial darf ausdrücklich nicht feucht sein: Insbesondere bei niedrigen Außentemperaturen macht die Verdunstungskälte ihm sonst zu schaffen. Es ist sinnvoll, die Spinne außerhalb ihres Terrariums und damit sicher vor einstürzender Dekoration u.ä. zu transportieren. Sollte das Transportfahrzeug nicht klimatisiert sein, gilt wie bei Reptilien: je näher am Körper, desto besser. Ich habe schon in jungen Jahren frisch erstandene Bändernattern in einem für Schlangentransporte üblichen Leinenbeutel unter der Jacke vom Händler nach Hause transportiert. Die Grillenbox mit Vogelspinne sollte in einer Jackeninnentasche o.ä. mitreisen.
Versand
Insbesondere bei Erwerb, Tausch oder Verkauf einer Vogelspinne über eine Distanz hinweg, die man persönlich nicht ohne weiteres überbrücken kann, wird der postalische Versand notwendig. Dies gilt speziell für den Erwerb neuer Pfleglinge auf Onlinebörsen. Einige Vogelspinnenhalter sind dem Versand grundsätzlich abgeneigt und verweigern sich ihm, weil er ihres Erachtens einen zu hohen Stress für die Tiere darstellt. Ich kann diese Einstellung nicht nachvollziehen. Ohne die Möglichkeiten der Post wäre es nie möglich geworden, teils in ihren natürlichen Habitaten stark gefährdete Arten in Europa erfolgreich nachzuziehen, in unserem Terrarien zu verbreiten und so zu etablieren. Wie sollte sonst der Austausch von passenden Vogelspinnenmännchen funktionieren? Bei ihrer geringen Lebenserwartung sind sie schon gestorben, bevor ich von Berlin mal zufällig in Freiburg im Breisgau vorbei komme. Auch die Verteilung von 2000 Spiderlingen eines Kokons von Lasiodora parahybana ist anders nicht möglich. Für den Versand gilt die gleiche Grundverpackung der Tiere in einer ausgestopften Grillenbox. Die Packungen werden in eine Styroporbox gesetzt. Die Styroporbox wir wiederum in einem herkömmlichen Papppaket verpackt, dass ausreichend frankiert seine Reise durch die Bundesrepublik antreten kann. Beste Versandzeiten sind Frühjahr und Herbst aufgrund ihrer milden Temperaturen. Der postalische Versand von Wirbellosen und damit Vogelspinnen ist legal. Um Hektik und unnötige Komplikationen zu vermeiden, würde ich mir offensichtliche und überflüssige Luftlöcher im Paket sowie eine andere Aufschrift als „Vorsicht! Zerbrechlich!“ verkneifen. Wählt beim Verschicken stets die schnellste Versandform.
Bei niedrigen Außentemperaturen (-5 bis +9° C)
Hier muss die Styroporbox genug Platz für eine zusätzliche Wärmequelle lassen. Dazu kommen ausschließlich chemische Heatpacks in Frage. Ihr erhaltet sie im sortierten Fachhandel für Jäger- und Anglerbedarf in Form von Taschen- oder, als kleinere Variante, Stiefelwärmern. Sie funktionieren stets gleich: Durch Knicken vermischen sich zwei chemische Substanzen in ihrem Inneren, die reagieren und dadurch für 24-48 Stunden Wärme erzeugen. Bringt diese Wärmequelle nicht direkt neben der Grillenbox und/oder Fotodosen an, sonst erhitzen sich die Tiere zu stark. Befestigt die Transportkäfige der Tiere mit Klebeband an den Wänden der Styroporbox. Füllt die Zwischenräume mit lockerem Zeitungspapier oder Styroporpellets. Die Wärme muss sich noch entfalten können. Jetzt frankiert ihr das Paket und benachrichtigt den Empfänger. Er ist Euch eine zügige Empfangsbestätigung per E-Mail oder Telefon über Erhalt und Zustand der Tiere schuldig.
Bei höheren Außentemperaturen (ab +10 °C)
Hier könnt ihr auf ein Heatpack verzichten. Styropor hat grundsätzlich eine isolierende Wirkung - im Bezug auf Wärme als auch auf Kälte. So wird frischer Fisch stets in verschlossenen Styroporboxen, die mit Trockeneis gefüllt sind, auf den Markt gebracht. Eis sollt ihr natürlich nicht verwenden, aber Euch darüber klar werden, dass die zu verwendende Styroporbox auch Kälte isoliert. Im Hochsommer ohne Heatpack bei hohen Außentemperaturen ist ihr Einsatz ebenso sinnvoll, da sie die Tiere ein Stück weit vor Überhitzung bewahrt. Hier kann u.U. dass Füllpapier befeuchtet werden, um mit Verdunstungskälte zu helfen und die Tiere vor der Dehydrierung zu bewahren.
Literatur
KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen
SCHULTZ, S. A. / SCHULTZ, M. J. (1998): The Tarantula Keeper´s Guide
Literaturtipps
KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen, Ulmer. ISBN: 3-8001-3696-1, Hardcover
Der Klassiker unter den Vogelspinnenratgebern Deutschlands und ein Werk mit internationaler Bedeutung. Die zweite Auflage wurde neu überarbeitet und in der Szene heiß erwartet. Es wird Zeit, dass sie auch heiß diskutiert wird. Allein die Aufmachung setzt Maßstäbe: Asthetik und professionelles Design entlasten das Hobby Vogelspinnenpflege vor einer breiten Öffentlichkeit von Anrüchigkeit oder Widerwillen. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema hat schon in der ersten Auflage für Furore gesorgt. Sie wird in dieser Neufassung konsequent gesteigert. So erfüllt Klaas bewusst den Wunsch vieler Vogelspinnenbegeisterter, die Biotope der verschiedenen Arten auf Bildern zu sehen und sie dadurch unter Terrarienbedingungen besser simulieren zu können. Ich hätte dem Lektorat mehr Erfolg und Detailgenauigkeit gewünscht: Ausdruck und Grammatik weisen ungemein viele und unnötige Fehler auf. Die zudem als Einlage nachgeschobenen Korrekturen vertauschter Bildunterschriften verstärken den Eindruck, das die Promotion zu früh und die sorgfältige Pflege zu spät vor dem ehrgeizigen Veröffentlichungstermin einsetzten. Ungeschlagene Bilder und Fotodokumentationen der Feldforschung von Klaas, die Rick West neidisch machen werden. Pflichtlektüre.
KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen, Kosmos. ISBN: 3-440-09367-0, Hardcover
Dr. Hans W. Kothe, Diplombiologe, widmet sich seit einigen Jahren intensiv der Haltung und Zucht von Vogelspinnen. Er hat das erworbene Wissen komprimiert und systematisch überzeugend in diesem Buch zusammengefasst. Das Werk gibt einen guten Überblick und Gelegenheit zum Einstieg und zur Vertiefung in die Thematik Vogelspinnen, ihre Pflege und Zucht. Schöne, klare und professionelle Aufmachung, die zum Weiterlesen animiert. Flüssiger, klarer Stil. Komprimierte Beschreibungen und Tipps zu 48 Arten. Empfehlenswert.
PETERS, H.-J. (2000): Tarantulas of the World. Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 1, TOW-Verlag. ISBN 3-933443-02-4, Paperback
Heinz-Josef Peters ist nahezu jedem ernsthaft an Vogelspinnen Interessierten in Deutschland ein Begriff. Er führt seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich Vogelspinnen als Wildfänge nach Deutschland ein, züchtet sie erfolgreich und bringt sie zu sehr humanen Preisen auf den Markt. Peters steht in dem Ruf, auch zunächst sehr seltene Arten zu etablieren. Ich selbst erhielt meine ersten Spiderlinge - zwei Brachypelma smithi, zwei Brachypelma vagans - seinerzeit von ihm und bin deswegen wohl etwas voreingenommen. 1996 unternahm Peters den ehrgeizigen Versuch, ein Nachschlagewerk über die verschiedenen Vogelspinnenarten - zunächst als Loseblatt-Sammlung - in Eigenregie auf den deutschen Markt zu bringen. Daraus und aus Beiträgen zu seiner Zeitschrift entwickelte er Band 1 und 2 des Kleinen Atlasses der Vogelspinnen mit immerhin 224 von derzeit 800 bekannten Arten. Das Werk entstand in einer Auflage von nur 2.500 Exemplaren pro Band und stellt in meinen Augen eine Rarität dar, die (noch) erhältlich ist. Durch seine Arbeit und diese zwei Bücher hat Peters ein großes Stück Pionierarbeit geleistet. Band 1 mit 104 Arten aus 23 Gattungen: von Acanthoscurria bis Grammostola.
PETERS, H.-J. (2000): Tarantulas of the World, Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 2, TOW-Verlag. ISBN: 3-933443-03-2, Paperback
Peters stellt beiden Bänden eine grobe aber genügende Beschreibung der Haltung von Vogelspinnen voran. Dabei entwickelt er fünf verschiedene Terrarientypen, aus denen er bei jeder Artenbeschreibung den passenden wählt. Einer Art ist stets eine Seite gewidmet. Es gibt Angaben zur Tag- und Nachttemperatur und zur (Boden-)Luftfeuchte. Peters ergänzt diese intensiv recherchierten klimatischen Angaben durch Bilder von Ursprungsbiotopen, gelegentlichen Angaben zur Niederschlagshöhe, etc. Auf einer Landkarte wird die Verbreitung vermerkt. Fotos zeigen die verschiedenen Geschlechter. Bemerkenswert und in dieser Zugänglichkeit völlig neu sind jeweilige Zeichnungen der Spermatheken, Bulbi und Emboli - von Arachnologen akzeptierte Merkmale zur Bestimmung einer Art. Peters legt einen deutlich wissenschaftlichen Fokus an den Tag: Einen Großteil des verbleibenden Platzes verwendet er oft auf die Klassifizierungsgeschichte. Die Druckqualität ist gering, da es sich um eine engagierte Eigenproduktion handelt. Die Informationsdichte macht dies wett. Band 2 mit 110 Arten aus 35 Gattungen: von Haplocosmia bis Xenesthis. Der absolute Geheimtipp für wachsende Vogelspinnensammlungen und steigenden Forscherdrang.
SCHULTZ, S. A. / SCHULTZ, M. J. (1998): The Tarantula Keeper´s Guide, Barron´s. ISBN: 0-7641-0076-9, Paperback
Stanley A. Schultz und seine Frau Margeruite J. Schultz aus Calgary, Kanada, pflegen seit mehr als einem Jahrzehnt Vogelspinnen. Sie haben mit einer immensen Genauigkeit und Liebe zum Detail all ihr Wissen um Vogelspinnen gesammelt und bringen es hier an den Leser. Deutsche Experten mögen grundlegende Probleme angloamerikanischer Veröffentlichungen zum Thema Vogelspinnen erkennen und bemängeln. So findet die Orientierung an der Systematik des World Spider Catalogue nicht oder nur ungenügend statt. Die im englischsprachigen Ausland verbreitete Unart, Allgemeinnamen in Umgangssprache den Fachbegriffen in Latein und Altgriechisch vorzuziehen, ist unerfreulich und treibt auch hier in teilweise neun verschiedenen englischen Namen für eine Vogelspinnenart kryptologische Blüten. Die Haltungsangaben erscheinen in unseren Augen oft veraltet. Nun, dass Buch ist von 1998 und gibt als Bodengrund etwa Vermiculit (wie soll bspw. ein Bodenbewohner damit einen Kokon bauen, wie eine unterirdische Art ein Gangsystem anlegen?) und oft viel zu kleine Behältergrößen an. Die Tiere werden teils vermenschlicht. Für diese Defizite entschädigt eine ungebändigte und ansteckende Begeisterung für das Hobby, ein überzeugender Pragmatismus und Innovationsgeist (Quarantänestation für geschwächte Vogelspinnen, Fangtipps für die Entnahme von Wildfängen, Tropische Asseln als Schimmelbekämpfer, etc.). Das Buch ist jeden Cent wert für den, der es genau wissen will.
VON WIRTH, V. (1996): Vogelspinnen, Gräfe und Unzer (GU). ISBN: 3-7742-2622-9, Paperback
Volker von Wirth beschäftigt sich seit 1985 intensiv mit Vogelspinnen und macht sich nach wie vor um die Szene verdient. Sein derzeitiges Interesse gilt verstärkt asiatischen Vogelspinnen. Mit diesem Werk liefert von Wirth ein grundsolides und sehr günstiges Einstiegsbuch. Mich hat er mit seinen Artenbeschreibungen und schönen Bildern für die Tiere sehr eingenommen, als ich das Buch als meine erste Vogelspinnen-Fachliteratur erstand. Es weckt den unbedingten Wunsch nach mehr Input, den es auf knapp 63 Seiten nicht erfüllen kann und will. Auch mit einer angewachsenen Bibliothek greife ich doch immer noch gerne auf dieses Werk zurück. Zugute zu halten ist von Wirth auch, dass er hilfsbereit und ausführlich auf E-Mail-Anfragen seiner Leser antwortet – an dieser Stelle nochmals vielen Dank.
WEBB, A. (2002): Vogelspinnen, Natur und Tier-Verlag. ISBN: 3-931587-32-0, Paperback
Ann Webb aus Herfordshire, England, liebt und pflegt Tiere, darunter seit langem auch Vogelspinnen. Sie ist am leidenschaftlichsten dabei und weiß besser als Schultz und Schultz zu systematisieren - trotz teils unklarer Gliederung mit populärwissenschaftlichem Anspruch. Interessante Innovation: Terrarienanlage aus Blöcken in Kettenschaltung, sehr zuchtgeeignet. Als Ergänzung empfehlenswert.
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